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Premier Michel zum Tod von Jacques Chirac: Chirac "hat die politische Geschichte geprägt"

Für den ausscheidenden belgischen Premierminister Charles Michel verlieren Frankreich und Europa mit dem Tod von Jacques Chirac "eine wichtige Persönlichkeit, die die politische Geschichte der letzten Jahrzehnte geprägt hat". Das lässt Michel in einer Mitteilung wissen.

Charles Michel hat den ehemaligen französischen Präsidenten und Premierminister mehrmals getroffen. "Ich erinnere mich an ihn als einen warmen, intelligenten und enthusiastischen Mann. Er konnte lustig sein, aber gleichzeitig war er sehr besorgt über die Entwicklung des afrikanischen Kontinents und der Umwelt".

Michel weist in der Mitteilung auch darauf hin, dass Jacques Chirac "den Mut hatte, die Verantwortung des französischen Staates für die Deportation von Juden während der Besetzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland anzuerkennen. Seine Verteidigung des „Ja-Lagers“ während des Referendums über die Europäische Verfassung 2005 zeugt auch von einem starken Engagement für ein stärkeres Europa."

Archiv Vater und Sohn Michel

"Die Geschichte gab uns Recht in Sachen Krieg gegen den Irak"

Anlässlich des Todes von Jacques Chirac wiesen sowohl der ehemalige liberale Minister und ehemalige EU-Kommissar Louis Michel (MR) als auch der ehemalige sozialistische Minister André Flahaut, die Chirac noch als französischen Präsident kannten, auf die gemeinsame Opposition gegen die Invasion im Irak des Saddam Husseins im Jahr 2003 hin.

"Wir hatten während des Irak-Krieges die gleiche Position", sagte Louis Michel, der Vater des ausscheidenden belgischen Premiers Charles Michel. Louis Michel meint damit, dass am 11. Februar 2003 Deutschland, Frankreich und Belgien die von den USA angeforderte Unterstützung für einen Irak-Krieg blockiert hatten. Der Irak-Krieg war eine Initiative des amerikanischen Präsidenten Georges Bush sr. ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates.

Die Opposition Deutschlands, Frankreichs und Belgiens hatte zu einer schweren Krise in ihren Beziehungen zu Washington geführt. "Die Geschichte gab uns Recht", so Charles Michel, der von 1999 bis einschließlich 2004 Außenminister war. Schließlich schien sich später herauszustellen, dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gab, im Gegensatz zu dem, worauf die USA bestanden.

"Meine Gedanken gehen an einen Präsidenten, der es wagte, sich im Namen Frankreichs gegen die Intervention im Irak zu stellen", sagte auch André Flahaut, der von 1999 bis 2008 Verteidigungsminister war.

Louis Michel erwähnte auch noch, dass ihn der Tod des ehemaligen französischen Staatsoberhauptes stark getroffen habe und dass er immer von Chiracs "großem Humanismus" und "sehr großer Kultur" begeistert gewesen sei. Er führte u.a. dessen Wissen über primitive und asiatische Kunst an.