Die "Alte Maas" im belgisch-niederländischen Grenzgebiet/Foto: VRT

Wie lange kann uns die Maas noch als Trinkwasserquelle dienen?

Rund 7 Millionen Menschen in Belgien und in den Niederlanden werden mit Trinkwasser versorgt, dass aus der Maas gewonnen wird. Doch als Folge der anhaltenden Trockenheit der vergangenen Jahre strömt weniger Wasser durch diesen Fluss, der in Frankreich entspringt und in den Niederlanden in die Nordsee fließt. In den Niederlanden macht man sich schon jetzt große Sorgen. Wie steht es in dieser Frage um das belgische Bundesland Flandern?

Im vergangenen Jahr stand der Pegel der Maas in Belgien während etwa vier Monaten zeitweise so niedrig, dass einige wichtige andere Wasserstraßen, wie z.B. der Albert- und der Netekanal, nicht mehr daraus mit Wasser versorgt werden konnten. Dies ist einer Studie zu entnehmen, die RIWA-Maas, der Kooperationsverband der belgischen und der niederländischen Trinkwasserversorger, erstellen ließ.

Niedrigere Wasserstände während Trockenperioden, die auch durch den Klimawandel entstehen, werden in Zukunft weiter zunehmen. Den Niederländern treibt dies in Anbetracht der davon betroffenen Maas schon jetzt die Sorgenfalten auf die Stirn. Wim Drossaert, der niederländische Vorsitzende von RIWA-Maas, sagte dazu gegenüber dem niederländischen TV-Sender NOS: „Wir warten auf den Augenblick, in dem kein Wasser mehr aus dem Kran kommt.“

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Die Maas im niederländischen Maastricht/Foto: Andreas Kockartz

Niedrigere Wasserstände durch Trockenheit sorgt überdies nicht nur für weniger Trinkwasser in der Maas, sondern auch dafür, dass das Wasser des Flusses stärker verschmutzt ist. Alleine letztes Jahr haben die flämischen Trinkwasserversorger, die ihr Wasser aus der Maas schöpfen, 46 Mal ihre Rohre zudrehen müssen, weil die Wasserqualität so schlecht war, dass kein reines Trinkwasser daraus gefiltert werden konnte. Hier galt 2018 an 121 Tagen Niedrigpegel. Auch deshalb sind die Sorgen in Flandern und in den Niederlanden durchaus berechtigt. 

Wer hat Schuld?

RIWA-Maas und die Behörden in Flandern und in den Niederlanden weisen mit ihrem Finger auf Frankreich und auf Deutschland. Die Franzosen errichten entlang der Maas, die bei ihnen in Poully-en-Bassigny bei Neufchâteau im Departement Haute-Marne entspringt, neue Schleusen, damit sie das Wasser des Flusses bei Trockenheit länger stauen und festhalten können. Deutschland versucht in letzter Zeit mit der Rur, die aus der Eifel in NRW weiter in die Niederlande in die Provinz Südlimburg (dort heißt sie Roer) und in den Rhein fließt, das gleiche zu tun. Die Rur ist ein wichtiger Nebenfluss des Rheins, der gemeinsam mit der Maas in die Nordsee strömt. „Die Frage lautet, was noch für uns übrig bleibt, wenn jeder an der Maas rumfummelt“, so RIWA-Maas-Vorstand Drossaert weiter gegenüber NOS.

Konkret in Belgien

Was in den Niederlanden bereits zu großen Sorgen führt, ist in Belgien im Allgemeinen und in Flandern im Besondern noch nicht wirklich akut. Johan Cornelis vom flämischen Wasserversorgungsunternehmen Water-link in Antwerpen sagte kürzlich dazu gegenüber VRT NWS: „Unser Land liegt gegenüber den Niederlanden weiter stromaufwärts, wodurch die Probleme bei uns weniger groß sind. Doch auch wir merken, dass die Wasserpegel in den vergangenen Sommern weniger hoch waren.“ Das sei trotzdem ein Phänomen, mit dem man sich auch hier in Flandern schon länger beschäftige, so Cornelis.

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Die Maas im Lütticher Industriebecken bei Seraing/Foto: Andreas Kockartz

Water-link versorgt etwa 200.000 Haushalte und Unternehmen mit Trinkwasser, dass aus dem Albertkanal gewonnen wird, der wiederum sein Wasser aus der Maas bekommt (siehe weiter oben). Falls die Maas in Zukunft tatsächlich deutlich weniger Wasser in unsere Breitengrade bringt, arbeitet Water-link an einer Alternative, so Johan Cornelis: „Wir bauen in Wijnegem bei Antwerpen derzeit am Albertkanal eine Entsalzungsanlage, die aus Wasser, das wir aus der Schelde holen, Trinkwasser machen wird. Das Wasser, dass wir eventuell nicht mehr aus der Maas abpumpen können, entnehmen wir der Schelde. So bleibt die Trinkwasserversorgung gewährleistet.“

Gegenwart und Zukunft

In Flandern werden etwa 2,5 Mio. Haushalte mit Wasser aus Maas und Albert- bzw. Netekanal versorgt - das entspricht gut 40 % der flämischen Bevölkerung. In der Wallonie, die noch näher an Frankreich liegt, holt der Wasserversorger Talifer pro Jahr fast 53 Mio. Liter Wasser aus der Maas, womit lediglich 750.000 Haushalte und Unternehmen mit Trinkwasser beliefert werden.

So ganz ohne Sorgen kann die Sache hier in Belgien aber nicht angegangen werden, wie der Trockenheitsexperte Patrick Willems von der Universität Löwen (KU Leuven) gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen erwähnte: „Wir werden in Zukunft mehr Wasser brauchen und haben aber auf Dauer immer weniger davon zur Verfügung. Einige Prognosen zum Klimawandel sagen voraus, dass wir bis 2100 einen Wasserrückgang an der Maas um 50 bis sogar 70 % haben werden.“ 

Binnenschiffe auf dem Albertkanal BELGA/JANSSEN