Der unlogische Steuervorteil für Zweitwohnungen

In einigen Fällen könnte es günstiger werden, sich für eine Zweitwohnung Geld zu leihen als für den Erstwohnsitz. Dies ist auf die Abschaffung der flämischen Wohnprämie zu Beginn des nächsten Jahres zurückzuführen. 

Infolge der Abschaffung der Wohnprämie werden Flamen mit einem Wohnungsbaudarlehen mehr Steuern zahlen müssen. Doch wer ein Darlehen für eine Zweitwohnung aufnimmt, hat noch einen Steuervorteil. Das hat sich durch die sechste Staatsreform so ergeben.

Benjamin Dalle von den flämischen Christdemokraten (CD&V), der heute Medienminister ist und die Maßnahme früher als CD&V-Mitarbeiter mit erarbeitet hat, nennt das ebenfalls eine unlogische Situation und möchte, dass das in den föderalen Verhandlungen diskutiert wird.

In der VRT sagte er dazu: „Auf föderaler Ebene gibt es noch einen Steuervorteil für langfristiges Sparen, genau wie bei den Pensionsfonds. Es stimmt, dass es unlogisch ist, dass man für eine Zweitwohnung in den Genuss von Steuervorteilen kommen kann. Das muss bei den Verhandlungen auf Bundeseben auf jeden Fall auf den Tisch.“  

Wohnprämie in Flandern gestrichen, aber nicht auf föderaler Ebene für Zweitwohnungen

Die flämische Regierung streicht die Wohnungsprämie, weil diese eine Erhöhung der Preise zur Folge hat. 

Der Verlust soll teilweise durch die Reduzierung der Registrierungsgebühren, also der Steuer, die Sie einmalig beim Kauf eines Hauses zahlen, ausgeglichen werden. Doch die Maßnahmen gleichen sich langfristig nicht aus.

Ein Alleinstehender verliert durch die Entscheidung über einen Zeitraum von 25 Jahren durchschnittlich 17.000 Euro, ein Paar insgesamt fast 37.000 Euro. "Es wäre jedoch besser, beim Kauf des Hauses einen direkten Rabatt zu gewähren, so dass die Menschen ihr Geld gut verwenden können", betont der Steuerexperte der Freien Universität Brüssel (VUB), Michel Maus. 

Für eine Zweitwohnung gibt es noch einen Steuervorteil, eine "föderale Wohnprämie". Es handelt sich um maximal "693 Euro Steuererlass auf die Einkommensteuer, der jedes Jahr für die Dauer des Darlehens gewährt wird", sagt Maus. Außerdem spielt es keine Rolle, wo sich die Zweitwohnung befindet, solange sie sich innerhalb der Grenzen Belgiens befindet. Für alle Zweitwohnungen, von der Küste bis in die Ardennen, gilt der "Bundeswohngeldzuschuss". 

"Langfristig sind Kredite für Zweitwohnungen und Wohnungen, die man vermietet, daher steuerlich vorteilhafter", sagt Maus. "Obwohl dies durch die lokalen Steuern für Zweitwohnsitze ausgeglichen wird", heißt es. Die gelten aber nicht für Häuser, die Sie zur Vermietung kaufen, sogenannte "Renditeobjekte", und auch nur für Zweitwohnsitze. 

Warum ist das so?

Was ist die Logik hinter dem System? "Das Ganze hat mit der sechsten Staatsreform zu tun. Damals beschloss die Politik, den Regionen den Bereich Wohnungen zu übertragen. Das bedeutet, dass die Regionen auch alle Steuervergünstigungen übernehmen müssen", erklärt Maus. Die flämische Wohnungsprämie ist solch ein Gunstsystem. 

"Nur hat man Wohnen so verstanden, dass sich das nur auf die eigenen vier Wände bezieht, in denen man selbst wohnt. Zweitwohnungen oder zu vermietende Häuser gelten als Pensionsrückstellung. Infolgedessen bleibt dies föderal und der Wohnbonus existiert dort weiterhin, aber nur für Zweitwohnungen und Häuser zur Vermietung."