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Insolvenzverwalter untersuchen: Warum hat Thomas Cook Belgien noch Millionen an das bankrotte britische Unternehmen überwiesen?

Nach dem britischen Konkurs des Reiseveranstalters Thomas Cook scheint es, dass die belgische Niederlassung noch 5 bis 6 Millionen Euro über ein automatisches Cash-Pooling-System nach England überwiesen hat. Das schreibt die Zeitung De Standaard an diesem Donnerstag und das hat einer der Insolvenzverwalter von Thomas Cook bestätigt. Mit dem Kassenbestand hätte Thomas Cook Belgien (noch) nicht die Bücher schließen müssen, heißt es.

Ein Rückblick: Am Sonntag, den 22. September, hat der britische Reiseveranstalter Thomas Cook die Bücher geschlossen. Die belgische Sektion war noch in Betrieb, musste aber in den folgenden Tagen nach Geld suchen, um die Löhne für September bezahlen zu können. Die belgische Unternehmensleitung hat am 24. September auch um Schutz vor Gläubigern gebeten, damit sie die Optionen für eine Übernahme oder einen Neustart ruhiger prüfen kann.

Thomas Cook Belgien wurde jedoch kein solcher Schutz von den Gerichten gewährt, weil das Unternehmen nicht genügend Geld hatte, um im Rahmen dieses Systems weiterarbeiten zu können. Rund 5 Millionen Euro wurden benötigt und dieser Betrag war nicht mehr in der Kasse. Infolgedessen ging das Unternehmen vor drei Tagen in Konkurs.

Die Treuhänder, die die Abwicklung dieses Konkurses zu bewerkstelligen haben, sind jetzt zu dem Schluss gekommen: Auch nach dem britischen Konkurs hat die belgische Niederlassung von Thomas Cook Geld nach England überwiesen. De Standaard spricht von 5 bis 6 Millionen Euro, aber die Treuhänder müssen noch den genauen Betrag ausrechnen.

Das soll über mehrere Cash-Pooling-Systeme geschehen sein. Ein Cash-Pool ist eine Art Topf, in dem sich die verschiedenen Tochtergesellschaften des Konzerns im Falle von Problemen gegenseitig Geld leihen können.

Cash Pooling ist nicht illegal, aber es hat in den letzten Tagen bei Thomas Cook eindeutig Probleme verursacht. Nach VRT-Informationen soll Thomas Cook Belgien am Freitag vor dem Konkurs automatisch Geld in einen solchen Cash Pool überwiesen haben. Dies erklärt, warum am Montag nach dem Konkurs noch schnell Geld gefunden werden musste, um die Löhne vom September zu bezahlen.

Zu spät reagiert?

"Soweit wir heute wissen, hat die belgische Regierung noch versucht, das Cash-Pooling-System am Sonntag, als der Konkurs der britischen Niederlassung angekündigt wurde, zu stoppen. Was anscheinend nicht oder nur teilweise gelungen ist", so der Insolvenzverwalter Hans De Meyer gegenüber der VRT.

Die Frage, auf die er jetzt eine Antwort möchte, ist, ob dies nicht früher hätte geschehen sollen, "als in den Tagen zuvor klar war, dass Thomas Cook UK pleitegehen würde", und es somit logischerweise Probleme mit diesem Cash Pool geben würde. "Im Moment werden wir nichts darüber sagen, bis wir ein vollständigeres Bild bekommen und sehen, wie es mit den anderen ausländischen Einheiten gelaufen ist."

Die Insolvenzverwalter versuchen daher nun, sich einen besseren Überblick über den Zeitplan und die Entscheidungen des Vorstands zu verschaffen. Auf die Frage, ob Thomas Cook Belgien mit diesem Geldbetrag in der Kasse unter Gläubigerschutz hätte weiterarbeiten können, ist die Antwort jedenfalls eindeutig: "Ja.".