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Elim Chan beginnt beim Antwerpener Symphonieorchester: „Wir Frauen bringen auch etwas anderes mit als Führungspersonen“

An diesem Freitagabend begrüßt das Antwerpener Symphonieorchester seine neue Chefdirigentin: Elim Chan. Sie ist 32 Jahre alt und die jüngste Person auf dem Posten des Chefdirigenten, die das Orchester je hatte. Und sie ist eine Frau in der Männerwelt. Dies ist nach wie vor auffallend, obwohl Flandern und die Niederlande mit den jüngsten Ernennungen von Kristiina Poska und Karina Canellakis zur Chefdirigentin offenbar eine Vorreiterrolle bei der Feminisierung des Berufs spielen.

In den letzten Jahren hat sich die Landschaft allmählich verändert, aber in der Welt der klassischen Musik, die in eine lange Tradition eingebettet ist, sind Dirigenten in den meisten Fällen immer noch Männer. Im vergangenen Jahr berichtete Diapason, eine führende französische Zeitschrift für klassische Musik, dass von 744 ständigen großen Orchestern weltweit nur 32 eine Dirigentin hätten, 4,3%.

Diese Unterrepräsentation von Frauen im Dirigentenberuf steht im Gegensatz zu dem in großen Orchestern guten Geschlechterverhältnis (auch dank "blinder" Auditionen, bei denen nur die musikalischen Qualitäten beurteilt werden). Und es gibt auch immer mehr zeitgenössische Komponistinnen.

Der Intendant Joost Maegerman vom Antwerp Symphony Orchestra beschreibt die Ernennung von Chan als "einen schönen Zufall", obwohl auch er meint, dass eines Tages die Ernennung einer Frau auf dem Posten keine große Nachricht mehr sein sollte. "Wir hatten uns ein paar neutrale Kriterien gesetzt: Wir suchten jemanden mit Spitzenklasse und Ambitionen, jemanden, der auch mit dem Orchester zurechtkam. Natürlich bin ich sehr froh, dass diese Kriterien bei einer jungen, asiatischen Frau vereint sind. Ich hoffe, dass wir eines Tages in einer Zeit leben werden, in der die Menschen hierüber nicht mehr überrascht sein werden. Wenn wir unseren Beitrag auf diese Weise leisten können, umso besser."

Einen Mann an der Spitze gewöhnt"

„Wir sind es gewöhnt, einen Mann zu sehen, aber die Gesellschaft verändert sich gerade“, so Elim Chan. „Wir sind heute offener, nicht nur in der Welt der Dirigenten, sondern auch in führenden Positionen in der Geschäftswelt. Wir haben mehr weibliche CEOs, mehr Komponistinnen. Wenn Du erst mal beweisen kannst, dass Du etwas kannst, stehen Dir mehr Möglichkeiten für eine führende Position offen.“

„Wir Frauen bringen auch etwas anderes mit als Führungspersonen.“

Cham will in den nächsten Jahren gemeinsam mit dem Orchester alle Möglichkeiten des renovierten Königin Elisabeth-Saals austesten. „Wir haben diese wundervolle Räumlichkeit und wir sind an einem Punkt zu entdecken, was man mit diesem Saal alles machen kann. Wir fangen an, die Akustik zu genießen. Und wir beginnen gerade herauszufinden, dass wir Dinge wegnehmen können, damit alles besser klingt. Wir können andere Aufstellungen ausprobieren. Der Saal ist ein tolles Instrument."