Flandern will selbst über Zahl der Medizinstudenten entscheiden

Die flämische Regierung will bei der Ärztequote einen anderen Ansatz verfolgen. Derzeit entscheidet die Bundesregierung, wie viele junge Menschen ein Medizinstudium beginnen dürfen. Doch von nun an will Flandern selbst festlegen, wie viele Ärzte dort gebraucht werden. Das sagt Bildungsminister Ben Weyts. Die Ärztekammer hält das für keinen guten Plan, weil immer noch die Bundesregierung entscheidet, wie viele Absolventen anerkannt werden. 

Wie viele Ärzte dürfen noch hinzukommen? Jedes Jahr legt die belgische Regierung die Zahlen für sechs Jahre später fest - mit einer Höchstzahl, also einer Quote für Flandern und einer Quote für das französischsprachige Belgien.

Flandern sorgt dann mit einer Zulassungsprüfung dafür, dass nicht mehr als die angegebene Quote an Studenten ein Studium der Medizin- oder Zahnmedizin aufnehmen. Die Französischsprachigen taten jahrelang nichts und ließen einfach unzählige Studenten an ihren Unis zu. Das hält die flämische Regierung für unehrlich.

„Wir werden selbst schauen, wie viele Ärzte, auch Fachärzte und Zahnärzte, wir benötigen. Auf dieser Grundlage werden wir selbst entscheiden, wie viele Ärzteanwärter wir an der Ausbildung teilnehmen lassen wollen“, so Ben Weyts, flämischer Bildungsminister (N-VA).

„Wallonien fährt schon seit Jahren über die rote Ampel. Jetzt sagt Flandern, ‘die dürfen das, also fahren wir auch über rot.‘ Das ist natürlich keine Lösung für das Problem“, betont wiederum Bart Dehaes vom größten belgischen Ärzteverband BEVAS.

Es ist nämlich die föderale Regierung, die weiterhin entscheidet, wie viele flämische Ärzte eine Zulassungsnummer von der RIZIV, der Krankenkasse, erhalten. Und wenn der Arzt keine RIZIV-Nummer hat, bekommt der Patient auch keine Rückerstattung der Kosten.

“Wird keine Lösung gefunden, heißt das, dass am Ende, also nach sechs Jahren, eine gewisse Anzahl flämischer Studenten, den Medizinberuf nicht ausüben kann, dafür aber 6 Jahre lang studiert hat“, gibt Bart Dehaes zu Bedenken.

Ob Weyts wirklich mehr Studenten zulassen will, sagt er nicht eindeutig. Offenbar will er, dass man sich in den Verhandlungen über eine neue belgische Regierung darüber einig wird. „Entweder man spielt ein ehrliches Spiel und sorgt dafür, dass auch die Französischsprachigen die Regeln befolgen und dass nicht nur die Flamen die Musterschüler der Klasse sind oder aber man überträgt das Budget und macht einen Schritt in Richtung Deföderalisierung (Regionalisierung, Red.!) der sozialen Sicherheit. Das ist auch gut, aber man muss sich entscheiden“, so Ben Weyts abschließend.

Ben Weyts, Archivfoto