Neuer Electrabel-Vorstand: „Drei der sieben Atommeiler müssen länger laufen!“

Der neue CEO des Energieproduzenten Electrabel, Ex-Postchef Johnny Thijs (Foto) ist der Ansicht, dass 3 der insgesamt 7 Atommeiler in den belgischen Kernkraftwerken länger als geplant al Netz bleiben müssen. Thijs gab zu verstehen, dass er seinen Vorstoß der neuen belgischen Bundesregierung unterbreiten werde. Offenbar sind die beiden Regierungsinformatoren Johan Vande Lanotte (SP.A) und Didier Reynders (MR) bereits vom Ansinnen Electrabels unterrichtet. 

Johnny Thijs hat als neuer CEO des Betreibers der belgischen Kernkraftwerke Doel bei Antwerpen und Tihange bei Lüttich, Electrabel, ein erstes Interview gegeben. Gegenüber der flämischen Tageszeitung De Standaard sagte er: „Der Atomausstieg ist gesetzlich geregelt. Diesen Entschluss müssen wir respektieren.“ Doch er fügte hinzu, dass er der noch zu bildenden neuen belgischen Bundesregierung empfehlen werde, 3 der 7 Atommeiler noch mindestens 20 Jahre am Netz zu lassen. Eigentlich ist der Atomausstieg in Belgien bis 2025 geplant und entsprechend gesetzlich festgelegt. 

Der Atomausstieg ist gesetzlich geregelt. Diesen Entschluss müssen wir respektieren.“

Electrabel-Vorstand Johnny Thijs

Ex-Postchef Thijs begründet seinen Vorstoß, die Laufzeit einiger Meiler deutlich zu verlängern, u.a. mit den hiesigen Klimaschutzzielen, mit der Absicherung der Stromversorgung und auch mit der Höhe der Stromrechnungen für die Verbraucher. Der neue Electrabel-CEO kann nicht nachvollziehen, dass man aus der Kernenergie aussteigt und stattdessen in neue Gaskraftwerke investiert: „Wie viele Kraftwerke sind nötig und wie viel Zeit haben wir noch, diese zu bauen? Nach allen Studien gibt es zu diesen Fragen noch immer keine deutliche Antworten.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

BELGA/WAEM

Tinne Van der Straeten (Foto), Parlamentsabgeordnete für die flämischen Grünen (Groen), hält den Vorschlag von Electrabel-Vorstand Thijs für unverantwortlich, teuer, gefährlich und unsicher. 

Electrabel steht nicht über dem Gesetz. Der Umschwung auf 100 % nachhaltige Energie ist im Sinne des ganzen Landes.“

Tinne Van der Straeten (Groen)

Sie und ihre Partei werden nicht akzeptieren, dass der Kalender für den Atomausstieg angepasst wird, wie sie gegenüber VRT NWS sagte: „Electrabel steht nicht über dem Gesetz. Der Umschwung auf 100 % nachhaltige Energie ist im Sinne des ganzen Landes. Das bringt Investitionen mit sich, Jobs und Energiesicherheit. Den gesetzlich verankerten Atomausstieg in Frage zu stellen, ist nicht im Sinne unseres Landes, sondern nur im Hinblick auf den Multinational Engie (die französische Konzern-Mutterholding von Electrabel (A.d.R.))“.