Wie eine Trauma-Patientin ihre eigene Geschichte in einem Krimi lesen musste

Toni Coppers (Foto) ist einer der bekanntesten Krimiautoren in belgischen Bundesland Flandern. Doch sein aktuelles Buch „Het vergeten meisje“ („Das vergessene Mädchen“) ist derzeit umstritten, denn diese Geschichte scheint keine reine Fiktion zu sein, sondern die Geschichte von einer Frau, die aber bisher keine Ahnung davon hatte, dass sie derart benutzt wurde. Jetzt steht ein Psychologe im Verdacht, Coppers die Krankenakten von Trauma-Patienten zur Verfügung gestellt zu haben. Und der hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, alle Namen von Betroffenen zu ändern…

„Das vergessene Mädchen“ erzählt die Geschichte einer Polizistin der Lokalpolizei, die während einer Streife in ihrem Zuständigkeitsbereich ein Blutbad entdeckt. Schockiert wendet sie sich an einen Psychologen, der ihr eine Hypnose-Behandlung vorschlägt. Dabei kommen lange verdrängte, aber nicht verarbeitete Jugendtraumata hervor. Eine Frau, die das Buch von Toni Coppers gelesen hatte, fand ihre komplette Lebensgeschichte darin vor und erstattete Anzeige, auch vor der belgischen Ärztekommission.

Gegenüber VRT NWS sagte die Frau: „Selbst die Namen von Personen aus meinem Umfeld sind noch nicht einmal verändert worden. Personen aus meiner direkten Bekanntschaft finden sich dort mit Vor- und Nachnamen in den Ereignissen aus diesem Buch wieder.“ Die Betroffene ist davon überzeugt, dass Autor Coppers Einsicht in ihre Patientenakte hatte: „Das letzte, was ich wollte ist, dass diese schwierigen Augenblicke aus meinem Leben in die Top 10 der flämischen Buchverkäufe landen.“

Das letzte, was ich wollte ist, dass diese schwierigen Augenblicke aus meinem Leben in die Top 10 der flämischen Buchverkäufe landen.“

Ex-Trauma-Patientin

Hier werde ihre gesamte Lebensgeschichte „verkauft“ sagte die Frau dazu, also bei weitem nicht nur einige Anekdoten: „Die Leute sprechen mich darauf an und gehen davon aus, dass dies mit dem Autor abgesprochen ist, doch das ist nicht wahr.“

Die Betroffene gibt an, sie sei nicht die einzige Person, die erkennbar in diesem Buch auftauche, denn auch andere Patienten eines bestimmten Psychologen fanden sich in „Das vergessene Mädchen“ wieder: „Man muss doch davon ausgehen, dass man seinem Psychologen vertrauen kann, wenn man sich an ihn wendet. Man geht doch nicht davon aus, dass seine eigene Geschichte an einen Kriminalschriftsteller verscherbelt wird.“

Die Frau gab gegenüber VRT NWS zu verstehen, dass sie mit dem Coppers-Roman und mit ihrem eigenen Tagebuch an jene Behörde gewendet hat, sie Psychologen und deren Arbeit beobachtet und kontrolliert. Hier wurde bestätigt, dass die Klage eingereicht wurde und dass entsprechende Ermittlungen laufen würden, doch dazu werde man sich nicht öffentlich äußern, so die Reaktion. 

Die Frau hat meinen Verlag kontaktiert und dort gesagt, dass sie sich in meinen Buch wiedererkennt, doch ich finde die gesamte Geschichte doch weit hergeholt.“

Krimiautor Tony Coppers

Der Trauma-Psychologe gab gegenüber unserer Redaktion zu verstehen, dass er Kontakt mit Krimiautor Coppers gehabt habe, dass er ihm aber lediglich erklärt habe, wie unter Hypnose behandelt werde: „Ich habe aber keine Namen oder spezifische Akten weitergegeben.“ Zudem würden solche Akten nur 5 Jahre lang aufbewahrt, „also kann ich diese gar nicht an Coppers weitergegeben haben.“

VRT NWS kontaktierte auch den angesprochenen Krimiautoren Toni Coppers. Dieser weist alle Anschuldigungen zurück: „Die Frau hat meinen Verlag kontaktiert und dort gesagt, dass sie sich in meinen Buch wiedererkennt, doch ich finde die gesamte Geschichte doch weit hergeholt.“ Der Autor sagte dazu weiter, er nutze niemals wahre Ereignisse in seinen Geschichten und Büchern: „Ich bedauere sehr, was der Frau passiert ist, doch ich finde es schade, dass mein Buch auf diese Art und Weise in die Schlagzeilen gerät.“