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Chicorée: Ein Brüsseler Traditionsgemüse in Schwierigkeiten

Am Wochenende ist die Chicorée-Saison eröffnet worden. Dieses Wintergemüse ist in der Brüsseler Region und in der Provinz Flämisch-Brabant sehr beliebt und selbst der Anbau folgt hier noch einer handwerklichen Tradition. Doch diese Tradition ist ein bedroht, denn die Zahl der Landwirte, die hier noch Chicorée nach altem Brauch züchten und ernten, geht merklich zurück. 

Derzeit sind im Brüsseler Umland nur noch etwa 80 Landwirte auf Chicorée spezialisiert (und nur noch knapp 100 insgesamt in Belgien), wie am Wochenende bei der Saisoneröffnung in Zaventem bei Brüssel in Flämisch-Brabant festgestellt wurde. Das hat seine Gründe. Die Arbeit in der handwerklichen Chicorée-Zucht und -Ernte ist hart und die Investitionen in entsprechend benötigtes landwirtschaftliches Material sind hoch. Es lassen sich dadurch kaum noch junge Landwirte auf das Abenteuer der Brüsseler Chicorée-Tradition ein.

Ein Verein, die Vereinigung „Brüsseler Bodenchicorée“, will jetzt Abhilfe schaffen und kündigt an, junge Bauern dafür interessieren und unterstützen zu wollen. Gegenüber dem VRT-Regionalsender Radio 2/Flämisch-Brabant sagte der Vereinsvorsitzende Frans Van Meldert: „Derzeit haben nur etwa 15 Landwirte hier ein Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Das Durchschnittsalter ist eher 55 Jahre. Das sind Bauern, die in den kommenden 10 Jahren in Rente gehen. Dadurch werden wir in einigen Jahren ein Problem bekommen.“

Mit Kursen neugierig machen

Um junge Nachwuchsbauern spezifisch für den Chicorée-Anbau zu begeistern hat der Verein „Brüsseler Bodenchicorée“ jetzt gemeinsam mit einer landwirtschaftlichen Initiative in Herent bei Löwen (Flämisch-Brabant) Kurse organisiert, so Van Meldert weiter:

„Das ist eine schwere Arbeit. Diesen Chicorée zu ernten ist sehr arbeitsintensiv. Und wenn man nicht einen elterlichen Betrieb übernehmen kann, sind die Investitionen in neue landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge sehr teuer. Doch das ist ein schönes Gemüse, mit dem man einiges an Geld verdienen kann. Das ist doch heute im Großteil der landwirtschaftlichen Industrie nicht mehr unbedingt der Fall.“

Chicorée-Zentrum Zaventem

Das Zucht- und Ernteverfahren, dass beim Bodenchicorée „Brüsseler Art“ angewendet wird, geht auf eine lange Tradition zurück. In Zaventem z.B. sind drei große Agrarunternehmen damit beschäftigt, die die drei wichtigsten Schritte - einsäen, Wurzelbehandlung und die sogenannte „Kopfernte“ - am Wochenende bei der Saisoneröffnung vorführten.

So wird auf Basis alter Bräuche ein Chicorée gezüchtet und geerntet, der auch in den Wintermonaten besonders vitaminreich ist. Zavemtem ist übrigens eine der Gemeinden in Brüsseler Umland in Flandern, in denen vornehmlich gerade dieses Gemüse angebaut wird. „Brüsseler Bodenchicorée“ wird zwischen September und Mai angeboten.