Betty Matthysen

ÖBB-Nachtzug zwischen Brüssel und Wien - Belgiens Bahn prüft die Möglichkeiten

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben beim Infrastrukturdienstleister der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, Infrabel, einen Antrag gestellt, um freie Gleise und Zeiträume für Fahrpläne für ihre ab Januar 2020 geplante „Nightjet“-Verbindung zwischen Wien und Brüssel zu erhalten. Bei Infrabel wurden entsprechende Meldungen inzwischen bestätigt und es laufen bereits Spekulationen zu den eventuellen Fahrplänen.

„Es gibt Kontakte zwischen Infrabel und der ÖBB und ihre Anfrage für Fahrwege werden momentan besprochen“, sagte Infrabel-Sprecher Frédéric Petit dazu. 

Österreichs Bahnchef Andras Matthä hatte am vergangenen Wochenende im einem Interview mit der Wiener Zeitung angekündigt, dass die ÖBB ab Januar 2020 eine Nachtzugverbindung zwischen Wien und Brüssel anbieten werde (siehe nebenstehenden Beitrag).

Von offizieller Seite her ist zu diesem Vorgang bisher noch nicht viel mehr bekannt, denn auch die österreichische Bahngesellschaft bestätigte lediglich, dass an einer solchen Verbindung gearbeitet werde, wie eine ÖBB-Sprecherin angab: „Die Details werden bei der Pressekonferenz zu unseren neuen Fahrplänen am 23. Oktober bekanntgegeben.“

Wie weit sind die Belgier in die ÖBB-Planungen mit einbezogen?

Es ist aber durchaus möglich, dass auch die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB konkreter in die Planungen mit einbezogen worden ist, so die belgische Nachrichtenagentur Belga dazu. Dies würde das gesamte Verfahren, mit einem österreichischen „Nightjet“ belgische Gleise zu befahren, deutlich vereinfachen, doch auch hier hält man sich mit konkreten Aussagen zurück.

Bahnsprecher Bart Crols ließ gegenüber der flämischen Wirtschaftszeitung De Tijd lediglich wissen: „Die Gespräche laufen, befinden sich aber noch in einem frühen Stadium.“ Andere Quellen bei De Tijd behaupten allerdings, dass die NMBS/SNCB „voll und ganz darin einbezogen ist und mitarbeitet.“

Wenn ein Eisenbahnunternehmen z.B. in Belgien Züge betreiben und fahren lassen will, dann muss es, wie auch in der Luftfahrt, sogenannte „Slots“ beantragen. Das sind Zeiträume, zu denen Gleise frei sind und während denen zusätzliche Bahnfahrten in die Fahrpläne eingearbeitet werden können. 

Spekulationen zu eventuellen Fahrplänen

Die Fachwebseite mediarail.wordpress.com will dazu mehr wissen und schreibt, dass sich das Zugangebot in erster Linie an Österreicher richten soll, die in Brüssel z.B. einen Job bei der Europäischen Union oder der EU angeschlossenen Einrichtungen haben. Doch auch Fahrgäste, die einen City Trip im einen oder anderen Land machen wollen, sollten sich angesprochen fühlen.

Die „Nightjets“ sollen in Wien Sonntagsabends und Mittwochsabends abfahren, um Montagmorgens und Donnerstagsmorgens in der belgischen Hauptstadt anzukommen. Die Rückfahrten ab Brüssel würden Montags am Abend und Donnerstags am Abend erfolgen, um jeweils in Wien Ankunft am Morgen des Tages danach zu haben.

Dies würde z.B. Kurzurlaubern an einem langen Wochenende ermöglichen, Freitags früh in Wien anzukommen, um Sonntagsabends wieder die Heimreise nach Brüssel antreten zu können. Und Österreicher, die aufs Fliegen verzichten wollen, haben in Brüssel nach einer ausgeschlafenen Nacht im „Nightjet“ direkt Anschluss an den Eurostar nach London…