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Belgische IS-Kämpfer hier vor Gericht stellen? "Dann haben wir sie zumindest unter Kontrolle."

Paul Van Tigchelt (Foto), der Leiter des belgischen Koordinationszentrums für Bedrohungsanalyse OCAD, sagte am Dienstagabend im VRT-Magazin „Terzake“ („Zur Sache“), dass man sich unbedingt mit den IS-Kämpfern aus Belgien, die sich noch immer in Syrien aufhalten oder die dort festgehalten werden, beschäftigen müsse: „Wenn wir hier gegen sie ermitteln und sie hier vor Gericht stellen, dann haben wir sie zumindest unter Kontrolle.“

„Wir wissen von rund 50 ‚Foreign Terrorist Fighters‘ aus Belgien, die in kurdischen Gefangenenlagern festgehalten werden. 20 Männer und etwa 35 Frauen“, so OCAD-Leiter Van Tigchelt. IS-Kämpfer, die aus dem Ausland kommend, im Irak und in Syrien gekämpft haben oder noch kämpfen, werden international als ‚Foreign Terrorist Fighters‘ bezeichnet.

Problematische Lage

„Wir sehen schon jetzt, dass die Situation in den kurdischen Lagern problematisch wird. Vor allem das Lager Al-Hol ist überbevölkert. Hier wurden 70.000 Gefangene zusammengedrängt. Da entkommen schon mal Leute. Diese Lager sind zu kleinen Kalifate geworden und das bereitet uns Sorgen“, so Van Tigchelt in „Terzake“ am Dienstagabend.

Was passiert, wenn die Türken die syrischen Kurden angreifen?

So richtig problematisch wird die Lage durch die Tatsache, dass sich die Amerikaner aus der Region zurückziehen und dass die Türkei in Syrien einmarschieren wird, um gegen die dortigen kurdischen Verbände zu kämpfen: „Es steht in den Sternen geschrieben, dass die Sicherung der Gefangenenlager in Gefahr gerät. Glücklicherweise wird es für ehemalige Kämpfer immer schwieriger, nach Europa zu kommen. Doch wasserdicht sind die Kontrollen leider auch nicht.“

Besteht Grund zur Eile?

Tatsache ist, dass die meisten der aus Belgien stammenden IS-Kämpfer auch belgische Staatsbürger sind. Sie müssen auf jeden Fall vor Gericht gestellt werden und, so Paul Van Tigchelt, „wir müssen vermeiden, dass sie untertauchen und irgendwann hier wieder auftauchen können.“ Wenn die Möglichkeit besteht, diese Terroristen hier nach Belgien zu holen, um von hier aus gegen sie zu ermitteln, dann sollte der Staat dies machen, so der OCAD-Leiter. Angesichts des bevorstehenden Angriffs der Türkei auf die Kurden in Syrien hält Van Tigchelt dies für dringend, „da sind wir uns alle einig.“