Klagen gegen eine geschmacklose Werbung eines Hamburger-Herstellers

Unter anderem die Staatssekretärin für Chancengleichheit der Region Brüssel-Hauptstadt, Nawal Ben Hamou (PS), reichte bei der Jury für ethische Praktiken in der Werbung (JEP) Klage gegen den Hamburger-Produzenten Bicky Burger ein. Dieser wirbt mit einem Gemälde des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein, auf dem ein Mann eine Frau mit einer Faust niederstreckt. In der Werbung heißt es dann: „Fake Bicky, oder was?“

Das Unternehmen Bicky hat mit der Nutzung eines Kunstwerks, das Brutalität gegen Frauen zeigt, als Werbemittel für Hamburger in Belgien die Öffentlichkeit gegen sich aufgebracht. Hinter dieser Werbekampagne, die über die sozialen Medien verbreitet wurde (sie ist inzwischen wieder verschwunden), steht das niederländische Unternehmen Goodlife Foods, dass die in Belgien eigentlich sehr beliebten Bicky Burger herstellt. Diese Hamburger werden in erster Linie in den hiesigen Frittenbuden verkauft.

Staatssekretärin Ben Hamou (Foto) beschwert sich bei den Werbe-Ethikern, weil das Unternehmen Goodlife Foods ihrer Ansicht nach verwerfliches Verhalten gegenüber Frauen gutheißt: „Ich habe beschlossen, bei JEP Klage einzureichen, weil die Marke zu verwerflichem Verhalten, das die körperliche Integrität gegen Frauen in Gefahr bringt, ermutigt.“

Die Tatsache, dass sich Bicky Burger die Freiheit nehme, eine derart unverantwortliche Werbekampagne zu lancieren, zeige, so Ben Hamou, „dass wir den Kampf gegen Gewalt gegen Frauen und gegen Sexismus im Internet (wo die Kampagne zu sehen war (A.d.R.)) verstärken müssen.“

Neben der Brüsseler Staatssekretärin planen auch andere Personen aus der Politik Klagen bei JEP oder sogar vor Gericht. Auch Christie Morreale, Hamous wallonische Amts- und Parteikollegin, will bei JEP und beim Gleichstellungsinstitut für Frauen und Männer Klagen.

Die Grünenabgeordnete Sarah Schlitz (Groen-Ecolo) wird indessen bei Bundeschancengleichheitsministerin Nathalie Muylle (CD&V) eine parlamentarische Frage einreichen, wie sie darüber denkt. So richtig sauer war auch der Bürgermeister von Charleroi, der designierte Vorsitzende der frankophonen Sozialisten PS, Paul Magnette. Der twitterte, dass er niemals mehr einen Bicky Burger essen werde, „und ich werde das auch nicht vermissen!“ 

Diese Reklame vermittelt den Eindruck, dass wenn man nach Hause kommt und das Essen passt einem gerade nicht, das Recht hat, seiner Frau eine zu schmieren.“

Belgiens Ministerin für Chancengleichheit Nathalie Muylle (CD&V)

Im Laufe des Mittwochs reagierte auch Ministerin Muylle, die die Werbekampagne für Bicky Burger „skandalös und unverantwortlich“ nennt. Weiter sagte die Ministerin dazu: „Diese Reklame vermittelt den Eindruck, dass wenn man nach Hause kommt und das Essen passt gerade nicht, das Recht hat, seiner Frau eine zu schmieren. Das geht meiner Ansicht nach nun wirklich nicht. Hier wird der Kummer von Leuten zu Werbezwecken missbraucht. Hier wird zudem häusliche Gewalt banalisiert, während dies gerade in Belgien noch ein großes Problem ist.“

Am späteren Mittwochnachmittag gab auch Flanderns neuer Landesminister für Chancengleichheit, Bart Somers (Open VLD) bekannt, dass er bei der JEP gegen diese „unangebrachte und geschmacklose“ Werbung Klage einreichen wird: „Sie machen das gesellschaftliche Problem der häuslichen Gewalt lächerlich. Statt dies zu bekämpfen bagatellisiert Bicky Burger die Gewalt in der Familie.“ Dies, so Somers, werde die neue flämische Regierung verstärkt bekämpfen: „Darin hat auch der Werbesektor seine Verantwortlichkeit und schon gar bei der Bekämpfung von verwerflichen Stereotypen.“ 

Inzwischen hat die JEP bereits über 300 Klagen und Beschwerden gegen diese brutale Bicky Burger-Werbung registriert.