E-Commerce verdrängt Geschäfte in Einkaufsstraßen: über 12.000 Läden weniger als vor 10 Jahren

Flämische, Brüsseler und wallonische Einkaufsstraßen sind seit zehn Jahren in einer Krise. In Flandern und Brüssel sind in 10 Jahren rund 9.700 Geschäfte verschwunden, in Wallonien 2.500. Das berichten die Zeitungen De Tijd und L'Echo an diesem Samstag.

Die Zahl der Geschäfte in Flandern und Brüssel sank um 15 Prozent. Das zeigen Zahlen des Forschungsbüros Locatus, heißt es in De Tijd. In beiden Regionen gibt es nur noch 54.221 Filialen, 9.703 weniger als 2009.

Am stärksten vom Landenschwund betroffen sind die Stadt- und Dorfzentren. Sie haben 17 Prozent ihrer Geschäfte verloren. Dies lässt sich zum Teil durch das Entstehen neuer Geschäfte an belebten Zufahrtsstraßen erklären.

Insbesondere Mode- und Elektrofachgeschäfte schlossen in den letzten Jahren ihre Türen. So sind innerhalb von zehn Jahren mehr als 2.200 Bekleidungs- und Modegeschäfte verschwunden. Der größte prozentuale Rückgang ist bei den Elektrofachgeschäften zu verzeichnen. Ganze 35 Prozent der Geschäfte in diesem Sektor gingen verloren.

Die Ursachen des Ladenschwunds in Einkaufsstraßen können vor allem in der Zunahme von E-Commerce gesehen werden, aber auch im veränderten Konsumverhalten und im Kostendruck für Immobilien in Innenstädten.

Eine erste Hauptursache für diesen Trend liegt beim E-Commerce. In den letzten zehn Jahren haben Flamen und Brüsseler zunehmend Webshops wie Bol.com, Coolblue und Zalando genutzt, um ihre Waren online zu bestellen. Dies führte wiederum zu einem Schneeballeffekt, denn damit bleiben auch die Passanten aus den Einkaufsstraßen weg. Und die Geschäfte bieten folglich keine Produkte mehr an, die die Menschen in großer Zahl online kaufen, wie z.B. Kleidung und Elektronik.

Außerdem sind die Verbraucher auch nicht mehr bereit, die Preise zu zahlen, die sie vor zehn Jahren bezahlt haben. Infolgedessen sind Billigketten auf dem Vormarsch.

Laut dem spezialisierten Beratungsunternehmen Locatus hat sich die Zahl der leeren Gewerbeflächen in der Region Brüssel übrigens mehr als verdoppelt, von 5% im Jahr 2009 auf 11,1% im Jahr 2019 (und sogar 11,9% in der Stadt Brüssel). In Flandern stieg der Anteil von 5,9% auf 9,7%.

In Wallonien sehen die Einkaufsstraßen ähnlich trist aus

In Wallonien sind in 10 Jahren rund 2.500 Geschäfte verschwunden. Jeder fünfte Geschäftsraum in wallonischen Städten steht leer.

"In Wallonien hat sich dieser Trend 2018 mit einem Verlust von 622 Filialen sogar noch deutlich verstärkt. Und die Zahlen für 2019 gehen in die gleiche Richtung. Bis letzten August wurden bereits 475 Filialen geschlossen", betont die Neutrale Union für Selbständige (SNI).