Geflüchtete IS-Frauen sorgen in Belgien für Beunruhigung

Nachdem hunderte IS-Frauen und deren Kinder aus einem bisher von Kurden bewachten Gefangenenlager im Norden von Syrien entkommen konnten, machen sich in Belgien Sorgen breit. Unter den geflüchteten Frauen soll mindestens eine Belgierin sein. Jetzt will der Bürgermeister von Vilvoorde (Flämisch-Brabant), Hans Bonte SP.A - Foto) den Sicherheitsrat zusammenkommen lassen.

Nach Angaben der beiden VRT-Journalisten und Nahost-Experten Rudi Vranckx und Jens Franssen, letzterer befindet sich derzeit an der Grenze zwischen der Türkei und Nordsyrien, konnte mindestens eine Frau aus Belgien aus dem Lager Ain Issa im Norden Syriens entkommen. „Die Kurden haben ihnen gesagt, dass sie sie nicht mehr bewachen können, weil sie angegriffen werden und die syrischen Gefangenen sagten, dass hier jeder weg muss“, sagte Vranckx auf Basis von internationalen Beobachtern.

Besonders beunruhigt ist derzeit Hans Bonte von den flämischen Sozialdemokraten. Der Bürgermeister von Vilvoorde, aus dessen Stadt sich auffallend viele junge Landsleute der islamistischen Terrorgruppe IS und anderen radikalen Rebellen im Irak oder in Syrien angeschlossen haben, fordert jetzt eine Sondersitzung des belgischen Sicherheitsrats: „Es scheint mit mehr als logisch, dass der Nationale Sicherheitsrat zusammenkommt. Es ist besonders merkwürdig, dass dies noch nicht geschehen ist.“ 

Es scheint mit mehr als logisch, dass der Nationale Sicherheitsrat zusammenkommt. Es ist besonders merkwürdig, dass dies noch nicht geschehen ist.“

Hans Bonte, Bürgermeister von Vilvoorde in Flämisch-Brabant bei Brüssel

Bonte befürchtet Schlimmstes: „Es ist bereits mehrmals gesagt worden, dass sie nach Europa zurückkommen werden. Wohl auch darum sagt Paul Van Tigchelt (der Leiter des belgischen Koordinationszentrums für Bedrohungsanalyse OCAD - siehe nebenstehenden Beitrag (A.d.R.)), dass man sie begleitet hierherholen soll, um sie hier vor Gericht zu stellen.“

Tue man dies nicht, so Bonte gegenüber VRT NWS, dann sei er sich sicher, dass früher oder später solche Leute, die dort bisher festgesessen haben, in Europa auftauchen: „Das ist auch, was internationale Beobachter voraussagen. Und Justizminister Koen Geens (CD&V) macht genau das Gegenteil.“ Schon jetzt nehmen hier viele Angehörige von ihnen wieder Kontakt auf, denn sie wollen ihre Enkelkinder nach hier holen, sagte Hans Bonte.

Der Sicherheitsrat muss den lokalen Behörden und den Polizeizonen Richtlinien geben, wie diese Konflikte hier aufgefangen werden können.“

Hans Bonte, Bürgermeister von Vilvoorde in Flämisch-Brabant bei Brüssel

Bonte befürchtet angesichts des bewaffneten Konflikts zwischen Türken und Kurden in Nordsyrien auch Probleme zwischen den entsprechenden Gemeinschaften hier in Belgien: „Der Sicherheitsrat muss den lokalen Behörden und den Polizeizonen Richtlinien geben, wie diese Konflikte hier aufgefangen werden können.“.

Bisher gebe es noch keine großen Konflikte, doch es werde bereits heftig diskutiert, beobachtete der besorgte Bürgermeister aus Vilvoorde. Berechtigt? Zum einen leben hier viele Türken und Kurden und aus der marokkanischen Gemeinschaft zog es viele junge Landsleute zum IS: „Belgien war leider einer der Hoflieferanten für die IS-Front…“