Belgiens Königspaar auf Staatsbesuch in Luxemburg

Das belgische Königspaar ist an diesem Dienstag zu einem dreitägigen Staatsbesuch ins Großherzogtum Luxemburg aufgebrochen. Begleitet wird das Paar vom Vizepremierminister und Minister für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung, Didier Reynders, den Ministerpräsidenten der Regionen und Gemeinschaften und einer Delegation von insgesamt 200 hochrangigen Beamten, CEO und Vertretern von akademischen Institutionen sowie zahlreichen belgischen Medien.

Wie aus einem Pressebericht des belgischen Außenministeriums hervorgeht, finde die Mehrzahl der Aktivitäten in Luxemburg-Stadt statt. Ein Besuch an die drei Regionen im Norden, Süden und Westen des Großherzogtums stünden aber auch auf dem Programm.

Belgien und Luxemburg pflegten seit langem eine sehr enge Freundschaft und unterhielten auch starke politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Beziehungen, heißt es im Außenministerium. Mit dem Staatsbesuch sollen die vielfältigen Bindungen unterstrichen und die engen Beziehungen bekräftigt werden. Der letzte Staatsbesuch war im März 1994. Damals besuchten König Albert II. und Königin Paola das Großherzogtum. König Philippe und Königin Mathilde waren im Dezember 2013 zum ersten Mal zu einem offiziellen Besuch in Luxemburg.

Auf belgischer Seite nehmen übrigens einige belgische Ministerpräsidenten zum ersten Mal an einem Staatsbesuch teil.

Auf dem Programm stehen neben dem Großherzoglichen Palast und Gesprächen mit dem Luxemburger Premierminister Xavier Bettel sowie Außenminister Jean Asselborn u.a. eine Gedenkfeier am Monument National de la Solidarité Luxembourgeoise, ein Spaziergang des Königspaares im Zentrum von Luxemburg-Stadt und Kontakt mit der belgischen Gemeinschaft, ein Besuch des Militärzentrums in Diekirch sowie Veranstaltungen zur Förderung von Investitionen und Handel in Sachen Raumfahrt, Finanztechnologie und nachhaltiges Bauen. Außerdem folgen eine Reihe kultureller, akademischer und sozialer Aktivitäten mit den Schwerpunkten medizinische Innovation, neue Formen des Lernens, audiovisuelle Zusammenarbeit und die Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien.

Partner auf internationaler Ebene und Familienbande

Belgien und Luxemburg waren Mitbegründer vieler internationaler Institutionen. Sie sind bis heute treibende Kraft hinter neuen Entwicklungen innerhalb dieser internationalen Strukturen: Europarat, EU, NATO, UN, … Beide Länder vertreten häufig eine gemeinsame und koordinierte Position, heißt es beim Außenministerium auch noch.

Doch natürlich stehen sich beide Länder schon allein aufgrund der familiären Bindungen zwischen den beiden Königshäusern nahe. Großherzog Jean heiratete 1954 Prinzessin Josephine-Charlotte von Belgien, die ältere Schwester von König Baudouin und Albert II. und Thronfolger Guillaume ging 2012 eine Ehe mit der belgischen Gräfin Stéphanie de Lannoy ein.

Beide Länder sind überdies wirtschaftlich wichtige Partner. Sie verfolgen einen modernen und integrativen Ansatz und konzentrieren sich auf Wirtschaftssektoren der Zukunft (Digitalisierung, Nachhaltigkeit, …). Sie haben ähnliche Visionen der gesellschaftlichen Entwicklung  (Geschlechterperspektive, Diskriminierungsverbot,…).

Wie das Außenministerium weiter betont, fände ein reger Austausch zwischen Behörden auf allen Ebenen statt. Als Beispiel nennt das Außenministerium die polizeiliche Zusammenarbeit und die Berufsausbildung.

Auch die Armeen beider Länder arbeiten sehr eng zusammen. So werden Luxemburgische Offiziere an der Königlichen Militärschule in Brüssel ausgebildet. Es wird beim Kauf von Material zusammengearbeitet und es werden gemeinsame Operationen vor Ort (Sahel) durchgeführt. Daneben benutzt die luxemburgische Armee belgische Ausbildungslager.

Besonders wichtig: wirtschaftliche Beziehungen beider Länder

Aus den neuesten Handelsstatistiken geht hervor, dass Luxemburg der elftgrößte Exportmarkt für Belgien mit einem Exportwert von 6,4 Milliarden Euro oder 1,7 % der Gesamtexporte Belgiens ist. Mit einem Importwert von 2,1 Milliarden Euro oder 0,6 % des Gesamtimports Belgiens steht Luxemburg auf Platz 30 der wichtigsten Lieferanten Belgiens.

Die wichtigsten Waren, die Belgien nach Luxemburg exportiert, sind chemische Erzeugnisse, Maschinen und Transportmittel sowie Kunststoffe. Luxemburg wiederum exportiert hauptsächlich optische Instrumente, Metalle und chemische Produkte.

Bekannte luxemburgische Investoren in Belgien sind Arcelor Mittal und SES (Société Européenne des Satellites). Umgekehrt seien belgische Unternehmer vom luxemburgischen Investitionsklima begeistert. Der Industrie- und Bausektor (Besix, DEME, …), aber auch der Finanzsektor mit Akteuren wie Degroof Petercam, Delen, Keytrade etc. ist auf dem luxemburgischen Markt präsent. Das gleiche gilt für den belgischen Vertriebssektor (Delhaize, Colruyt etc.) sowie die Telekommunikation (Telindus).

Zukunftsthema beider Länder ist die technologische Innovation.

Akademische Zusammenarbeit

Eine intensive Zusammenarbeit besteht auch zwischen den belgischen Universitäten und der Universität Luxemburg. Traditionell nehmen belgische Universitäten und Hochschulen beispielsweise eine große Anzahl luxemburgischer Studierender auf. 2016 haben mehr als 7.000 Luxemburger in Belgien studiert, vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Ingenieurwesen. Doch auch die Luxemburger Uni zieht Belgier an, insbesondere für Studienfächer, die hierzulande völlig überfüllt sind.

Große belgische Gemeinschaft in Luxemburg

24.000 Belgier (3% der Gesamtbevölkerung in Luxemburg) sind bei der belgischen Botschaft in Luxemburg eingetragen. Daneben pendeln täglich 46.000 Belgier nach Luxemburg zur Arbeit. „Die Anwesenheit dieser großen belgischen Gemeinschaft und die vielen gemischten Ehen fördern das Gemeinschaftsgefühl unter beiden Ländern“, heißt es beim Außenministerium auch noch.