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Gleichstellungsindex 2019 in der EU: Belgien auf Platz 8

Belgien liegt nach dem an diesem Dienstag veröffentlichten neuen Index des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) auf Platz 8 von 28 EU-Ländern. Deutschland liegt auf Platz 12. Insgesamt kommen die Mitgliedstaaten bei der Gleichstellung der Geschlechter nur schleppend voran. So hat sich der europaweite Wert für die Gleichstellung der Geschlechter seit 2017 nur um einen Punkt erhöht.

Belgien verbessert sein Ergebnis allmählich auf 71,1 von 100 Punkten gegenüber 70,5 Punkten im Index 2017.  Im Vergleich zum Durchschnitt der EU-Mitgliedstaaten, die auch nur im Schneckentempo vorankommen, hat sich Belgien aber eher verlangsamt. Das erklärt, warum es im europäischen Ranking im Vergleich zur Veröffentlichung des ersten EIGE-Index zurückgefallen ist.

Im Jahr 2005 belegte Belgien noch den 6. Platz. Der vom EIGE entwickelte Index soll zur Bewertung der Verbesserungen der Gleichstellung der Geschlechter in verschiedenen Bereichen herangezogen werden. Um die Gesamtpunktzahl jedes Staates zu berechnen, werden sechs Kernbereiche untersucht: Arbeit, Einkommen, Bildung, Zeit, Macht und Gesundheit - und zwei weitere Bereiche: Gewalt gegen Frauen und sich überschneidende Ungleichheiten. Eine Punktzahl von 100 wäre gleichbedeutend mit vollkommener Gleichheit. Der diesjährige Index konzentriert sich besonders auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und ihren Zusammenhang mit der Geschlechtergleichstellung.

Insgesamt ist Belgien ein guter Schüler

Insgesamt ist Belgien immer noch ein relativ guter Schüler: Das Land liegt mit seinem Gesamtergebnis weiterhin über der EU-28 und verbessert sich von Jahr zu Jahr. Gerade im Bereich "Einkommen" heben sich die Belgier mit der zweithöchsten europäischen Punktzahl von der Masse ab. Die Daten für diesen Bereich sollen die finanziellen Ressourcen (Einkommen aller Art) von Männern und Frauen und ihre wirtschaftliche Situation (Armutsrisiko oder nicht) widerspiegeln. Der hohe Wert Belgiens bedeutet jedoch nicht, dass die Situation egalitär ist, wie die Entwicklungen des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen zeigen. Der Durchschnittslohn ist sowohl für Männer als auch für Frauen gestiegen, aber es besteht immer noch ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle von 6% ("unter den niedrigsten in der EU", stellt das EIGE fest). Besonders groß ist die Differenz beim Monatseinkommen (32%) bei Paaren mit Kindern. Die Rentenlücke vergrößert sich auf rund 26% zum Nachteil der Frauen. Ein größerer Teil der weiblichen Bevölkerung (ca. 17%) gilt als "armutsgefährdet".

Die EU als Ganzes (67,4 Punkte) mache zwar auch weiterhin Fortschritte, aber "in kleinen Schritten", was die Gleichstellung der Geschlechter betrifft, so das Institut. "Im Zuge der Bestrebungen des neuen EU-Parlaments und der Kommission, die Prioritäten der EU für den nächsten Strategierahmen aufzustellen und zu erneuern, ist es unerlässlich, dass die Geschlechtergleichstellung Fahrt aufnimmt“, betonte die Direktorin des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE), Virginija Langbakk.

Die Tschechin Věra Jourová, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung, erklärte zudem: „Geschlechterungleichheit hindert Europa an der Entfaltung seines vollen Potenzials. Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Allerdings müssen unsere Maßnahmen jetzt etwas an der Basis bewegen. Die Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, die dieses Jahr angenommen wurde, wird die Karten unter Männern und Frauen in Europa neu verteilen. Die Regelungen fördern eine ausgewogenere Aufteilung von Pflegeaufgaben, so dass Frauen berufstätig bleiben und anspruchsvolle Rollen oder Führungspositionen ausüben können.“

Wer hält die Macht in Händen?

Dort, wo Belgien und andere europäische Länder die größten Schwierigkeiten haben, sich auf dem Weg zur Gleichstellung zu bewegen,  liegt im Bereich der Macht. Dazu gehört die politische Macht mit Vertretungen von Frauen in Parlamenten und Regierungen, aber auch die wirtschaftliche (Anteil von Frauen in den Verwaltungsräten börsennotierter Unternehmen und Zentralbanken) und soziale Macht (darunter Entscheidungen von Frauen in den Medien und im Sport). Belgien hat in diesem Bereich eine deutliche Steigerung seiner Werte verzeichnet, insbesondere dank seines Quotensystems für Wahllisten, das die Präsenz von Frauen in parlamentarischen Versammlungen erhöht hat. In Belgien gibt es auch eine Quote für die Präsenz von Frauen in den Verwaltungsräten börsennotierter Unternehmen und der öffentlichen Unternehmen, was sich positiv ausgewirkt hat (aber immer noch begrenzt mit durchschnittlich 31% Frauen in diesen Verwaltungsräten). Trotz dieser Bemühungen bleibt die Macht der Bereich mit der niedrigsten Punktzahl, sowohl für Belgien (55,2) als auch für die EU insgesamt (51,9).

Insgesamt ist beim Gleichstellungsindex 2019 der Spitzenreiter innerhalb der EU mit 83,6 Punkten übrigens Schweden und zwar noch vor Dänemark mit 77,5 Punkten. Griechenland und Ungarn haben den größten Aufholbedarf: Beide Länder liegen unter 52 Punkten. Mit einem Plus von 3,9 Punkten hat Portugal den größten Sprung gemacht, dicht gefolgt von Estland, das sich um 3,1 Punkte verbessern konnte, fasst eine Pressemitteilung der Europäischen Kommission den Index 2019 zusammen.

Der Index 2019 basiert auf den Daten von 2017.