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Sterbehilfe: Marieke Vervoort, Flanderns bekannteste Rollstuhlathletin, ist tot

Marieke Vervoort (40) ist tot. Die erfolgreichste Rollstuhlathletin unseres Landes, Marieke Vervoort, hat dem Kampf gegen eine schmerzhafte Muskelkrankheit verloren und wählte Sterbehilfe, um ihrem Leben ein Ende zu geben. Marieke „Wielemie“ Vervoort nahm zweimal an den Paralympics teil und gewann sowohl in London, als auch in Rio Edelmetall.

Es war Christophe De Graaf, der Bürgermeister von Marieke Vervoorts Heimatstadt Diest in Flämisch-Brabant, der den Tod dieser beliebten Sportlerin am Dienstagabend bekanntgab: „Marieke Vervoort, unsere ‚Wilemie‘, ist heute Abend gestorben. Unsere Anteilnahme gilt ihrer Familie und ihren Freunden.“ Noch vor einigen Wochen war sie gemeinsam mit ihrem Kumpel, dem flämischen TV-Produzenten Tom Waes zu Gast in der VRt-Fernsehsendung „Vandaag“ („Heute“), wo sie einmal mehr über ihre Krankheit sprach und über den Entschluss, auf Sterbehilfe zu setzen, wenn die Schmerzen, unter denen sie permanent leidet, unerträglich werden.

Vervoort litt an progressiver Myelopathie, eine Krankheit, die im Rückenmark entsteht und zu einer zunehmend schmerzhaften Muskelschwäche führt. Dies wiederum führt zu einer fortschreitenden Lähmung und zu immer schlimmeren Schmerzen. Die paralympische Athletin wurde seit Jahren von spasmischen und epileptischen Anfällen heimgesucht und nicht selten auch von akuter Atemnot.

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Nicolas Maeterlinck

Marieke Vervoort machte nie ein Geheimnis daraus, dass sie mithilfe von Sterbehilfe ihrem Leben ein Ende bereiten wollte, wenn ein Weiterleben unerträglich werde. In beeindruckenden Gesprächen im Rahmen der VRT-Sendung „Het Huis“ („Das Haus“) sagte sie gegenüber dem TV-Produzenten Eric Goens, auch ein guter Freund: „Ich will selbst beschließen, wann es zu Ende geht. Ich will nicht erstickend enden. Das will ich echt nicht…“

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2012 Getty Images

Vervoort war vor ihrer Krankheit schon eine Ausdauersportlerin. Später, im Rollstuhl, wurde als Triathletin zweimal Weltmeisterin (u.a. in Hamburg) und nahm an einem Ironman auf Hawaii teil, doch als sie schwerer erkrankte, setzte sie auf kürzere Distanzen, wie z.B. auf den Viertel-Triathlon. Doch an den Rollstuhl gfesselt, ließ sie sich nicht unterkriegen und gewann bei den Paralympischen Spielen in London 2012 Gold auf den 100 Metern und Silber auf den 200 Metern im Rollstuhlrennen. Vier Jahre später, in Rio, versuchte sie es mittlerweile schwerer leidend noch ein letztes Mal: „Wielemie“ verabschiedete sich mit Stil und zog sich mit einer silbernen (400 Meter) und einer bronzenen Medaille (100 Meter) aus dem aktiven Behindertensport zurück.

Marieke Vervoort war eine tolle Frau und eine tolle Sportlerin. Ihr Mut und ihre Ausdauer beeindruckte viele und ermutigte so manchen schwerkranken Menschen weit über Flandern und Belgien hinaus dazu, sich nicht unterkriegen zu lassen. Ihr gebührt großer Respekt, auch dafür, über Themen wie Sterbehilfe oder ihre oft extremen Schmerzen offen zu sprechen. Sterbehilfe ist in Belgien seit Jahren gesetzlich erlaubt. Mehrere bekannte Persönlichkeiten verabschiedeten sich so aus dem Leben, wie z.B. der flämische Dichter und Schriftsteller Hugo Claus („Der Kummer von Belgien“) und der jahrelange christdemokratische belgische Premierminister Wilfried Martens (CVP-CD&V/EVP).