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Lkw mit 39 Leichen ist über Zeebrügge nach England gefahren – die toten Personen sind Chinesen

Der Lastwagen, in dem am gestrigen Mittwoch in Essex, im Südosten Großbritanniens, 39 Menschen tot aufgefunden wurden, fuhr auf jeden Fall über den Hafen von Zeebrügge. Das sagt Dirk De fauw, der Bürgermeister von Brügge und Vorsitzender der Hafenbehörde. Inzwischen haben britische Ermittler begonnen, die Opfer zu identifizieren, ein schwieriger Prozess, der viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Bekannt geworden ist inzwischen auch, dass es sich bei den toten Personen um Chinesen handelt.

Die Fakten

Am gestrigen Mittwoch wurden 39 Leichen im Sattelanhänger eines Lastwagens gefunden, der in einem Industriegebiet in der Stadt Grays, in der südenglischen Grafschaft Essex, stand. Die liegt im Osten der britischen Hauptstadt London. Die Leichen lagen in einem Anhänger mit Kühlwagen, einem sogenannten Kühllastwagen. Bei den Leichnamen handelt es sich um 38 Erwachsene und 1 Teenager.

Der Standort wurde noch am Mittwoch den ganzen Tag untersucht. Im Laufe des Abends wurde das Fahrzeug, sowohl der rote Sattelschlepper als auch der weiße Kühlanhänger, in ein gesichertes und versiegeltes Hafendock in der Nachbarschaft gebracht. Dort können die Leichen diskret "unter Achtung der Würde der Opfer" geborgen werden, betonte Pippa Mills von der Polizei von Essex gegenüber der BBC.

Oberste Priorität habe nun die Identifizierung der Opfer, heißt es bei den Ermittlern. Die britischen Ermittler würden sich die Zeit nehmen, die sie bräuchten, um die Leichen zu bergen und zu identifizieren. Doch weisen sie auch daraufhin, dass der Prozess sehr lang und auch sehr schwierig sein werde. Inzwischen ist bekannt geworden, dass die toten Personen Chinesen sind.

Die britische Polizei hat unterdessen auch einen Aufruf an Personen gestartet, die Tipps zur Identifizierung haben.

Woher kam der Lkw?

Zur genauen Route des Lastwagens wird noch ermittelt. Zunächst herrschte große Verwirrung darüber, aber langsam werden mehr Details bekannt.

Der Kühlanhänger, in dem die Leichen gefunden wurden, stammt wahrscheinlich aus Bulgarien. Nach Ansicht der bulgarischen Regierung sei die Möglichkeit äußerst gering, dass die Menschen dort bereits in den Anhänger gestiegen seien. Der LKW war dort bei einer Firma registriert, die sich im Besitz eines Iren befand, der aber zwei Jahre lang nicht mehr in Bulgarien gewesen sei.

Der Anhänger wurde dann zum Hafen von Purfleet im Süden Englands, in der Nähe von Grays, verschifft. Das ist ein kleiner Hafen, in dem nur Fähren aus Zeebrugge oder Rotterdam ankommen. Der Schlepper selbst, das heißt das rollende Teil, kam aus Nordirland. Der Fahrer war ein paar Stunden früher angekommen und hatte eine Weile gewartet.

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Fest steht, dass der Kühlanhänger über den Hafen von Zeebrügge nach England gefahren ist. Dirk De fauw (CD&V), Bürgermeister von Brügge und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Hafenbehörde, bestätigte dies am Morgen gegenüber VRT NWS. Das bestätigt auch die Bundesanwaltschaft.

Die Möglichkeit, dass die Opfer im Hafen von Zeebrügge in den Anhänger gekommen seien, sei nach seinen Worten praktisch nicht gegeben.

"Jeder Anhänger wird systematisch auf äußere Anzeichen von Schäden und deren Versiegelung überprüft. Die Trailer werden gefilmt, bis sie auf der Fähre sind, und es gibt auch Kameras in den Terminals. Das Siegel zu brechen, 39 Personen an Bord zu schmuggeln und ein neues Siegel anzubringen, ohne bemerkt zu werden, diese Möglichkeit ist extrem gering", so De fauw. Am gestrigen Mittwoch erklärte auch Joachim Coens, CEO des Hafens von Zeebrügge, dass dies unmöglich sei.

Der Hafen von Zeebrugge untersucht den Fall. Auch die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet.

Wer war der Fahrer?

Der Fahrer des Lastwagens, ein 25-jähriger Mann aus Nordirland, wurde gestern wegen Mordverdachts verhaftet. Inzwischen wurden an zwei Standorten in Nordirland Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Kamera-Material der letzten 1 bis 1,5 Stunden der Fahrt zeigt, dass der Fahrer mehrere Stunden gewartet hatte, bevor er den Anhänger abholte. Nur wenige Kilometer weiter ließ er den Anhänger zurück.

Es ist nicht klar, ob der Mann von den Menschen im Anhänger wusste. In der Zwischenzeit hat die britische Presse seine Familie aufgespürt. Sie behauptet,  dass sie nichts wisse und dass sie keine offizielle Nachricht erhalten habe, dass er verhaftet wurde.