Belgier gaben 2018 über 1 Milliarde Euro für bezahlten Sex aus

Die Zahlen beruhen auf einer Schätzung der Belgischen Nationalbank, über die die finanzielle Tageszeitung De Tijd am Samstag berichtet. Die Nationalbank ließ untersuchen, wie viel Geld in Belgien für Escort-Services, Bordellbesuche und Sexklubs ausgegeben wird. 

Aus einer Untersuchung von 2015 geht hervor, dass Escort- und andere private Sexservices am häufigsten gefragt werden (rund 55 %). Der Besuch einer Prostituierten, die ihre Reize in einem Schaufenster anbietet, und der Besuch von Massagesalons liegen an zweiter und dritter Stelle (siehe Tabelle). 

Auch der durchschnittliche Preis einer Dienstleistung wurde von der Belgischen Nationalbank ermittelt. Für Escort- und private Sexservices zahlt der Kunde circa 150 Euro. Der Besuch eines Bordells und Sexklubs oder Massagesalons kostet rund 100 Euro. Der Tarif für Sex in der Straßenprostitution liegt bei 80 Euro. 

Bruttoinlandsprodukt

Die Nationalbank hat Untersuchungen über den Markt für bezahlten Sex geführt, um das Bruttoinlandsprodukt zu berechnen, d. h. den Gesamtwert aller Güter und Dienstleistungen, die in Belgien geliefert werden. 

Durchleuchtet

Mit Unterstützung von Soziologen der KU Leuven hat die Nationalbank das Sexgeschäft in der Praxis durchleuchtet. „Eine schwierige Aufgabe“, so der Soziologe Stef Adriaenssens gegenüber dem VRT-Radio. 2015 hat das Forschungsteam das Geschäft zunächst an den sichtbaren Standorten in den Prostitutionsvierteln erfasst. „Wie viele Personen waren in diesem Business tätig? Wie viele Kunden kamen vorbei? Wir haben Kameras eingesetzt und die Kunden über längere Zeit gezählt“, sagt Adriaenssens. (Anschließend wurden alle Bilder gelöscht.)

Um den unsichtbaren Anteil des Sexgeschäfts zu erfassen, haben die Forscher sich das Internet zunutze gemacht: „Sexarbeiter nennen die Preise auf einer Website. Aber dieses Angaben sind nicht immer zuverlässig, also haben wir diese mit den Einträgen auf bestimmten Websites verglichen (z. B. Hookers.nl).“

Für das Jahr 2015 haben die Forscher einen Umsatz von 870 Millionen Euro errechnet. Die Anzahl Kunden in den Prostitutionsvierteln konnten sie auf 2,3 Millionen Kunden schätzen, von denen jeder durchschnittlich 67 Euro ausgab. Bei einer Hostess oder einem Escort-Girl kostet der Service durchschnittlich 148 Euro.

Extrapolation aufgrund des Anteils Männer im erwerbsfähigen Alter

Dass die Belgier 2018 circa 1 Milliarde Euro an Prostitutionsdienste ausgegeben haben, beruht auf einer Extrapolation. Die Belgische Nationalbank passt die Zahlen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung an: „Insbesondere aufgrund des Anteils Männer im erwerbsfähigen Alter“.