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Belgiens Eisenbahnmuseum TrainWorld will Dampf-Sonderzüge auf die Gleise schicken

Die Verantwortlichen im belgischen Eisenbahnmuseum TrainWorld in Schaarbeek planen ab dem kommenden Jahr historische Sonderzüge fahren zu lassen, die von einer Dampflok gezogen werden. Dies wird angesichts von strengen Sicherheitsvorschriften kein leichtes Unterfangen sein und ist unter anderem auch von einer gesetzlichen Regelung abhängig, die nur von einer belgischen Bundesregierung beeinflusst werden kann.

Vor über 50 Jahren, am 20. Dezember 1966, fuhr in Belgien der letzte offizielle dampfgeführte Personenzug, denn damals gewöhnte sich auch die belgische Eisenbahn das Rauchen ab. Der Zug verkehrte zwischen Ath in der Provinz Hennegau und Denderleeuw in Ostflandern. Doch jetzt plant das Bahnmuseum TrainWorld wieder den Einsatz von Zügen mit einer Dampflok, um an dieses technische Kulturerbe zu erinnern. Die Idee ist, einmal pro Monat einen historischen Zug von Schaarbeek nach Mechelen fahren zu lassen, also auf der Strecke, auf der am 5. Mai 1835 der erste Zug überhaupt auf dem europäischen Festland unterwegs war.

Eine betriebsfähige Dampflok besitzt die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB, die von der bahneigenen Museumsgesellschaft „Train World Heritage“ betrieben wird und die allerdings derzeit nur auf Gleisen von Museumsbahnen unterwegs sein darf. Die Maschine, die Lok mit der Nummer 29.013 (Foto), ist jene Lokomotive, die 1966 den letzten Dampfzug gezogen hatte…

Die 1945 gebaute Maschine gehört zu einer 300 Lokomotiven umfassenden Lieferung aus Kanada und aus den USA, die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte. Damals, kurz nach dem Krieg, brauchte auch Belgien neue Lokomotiven, um die Eisenbahn nach der deutschen Besetzung und nach vielen kriegsbedingten Zerstörungen wieder ans Laufen zu bekommen. Die ersten 160 Loks wurden von Montreal Locomotives Works in Kanada geliefert, die nächsten 60 von der Canadian Locomotive Company und die letzten 80 von der American Locomotive Company (ALCO) in Schenectady/USA. Die Maschinen liefen 100 km/h.

Umfassende Restaurierung mit allen Sicherheitsanlagen

Zuletzt wurde die Lok wieder aufgearbeitet, wobei sie mit den hier erforderlichen Sicherheits- und Bremssystemen TBL1+ und ETCS ausgerüstet wurde. Dies macht die bahneigene Infrastrukturgesellschaft Infrabel zwingend erforderlich, denn sonst darf die 29.013 nicht auf dem belgischen Schienennetz fahren. Davor wurde ihr Kessel restauriert und zwar durch britische Fachleute der “London & North Western Railway Heritage Company Ltd” aus Crewe. Eine vorherige Restaurierung im deutschen Dampflok-Ausbesserungswerk Meinigen in Thüringen zeigte eine eher unsachgemäße Vorgehensweise auf…

Doch auch mit allen möglichen Sicherheitssystemen ausgerüstet, was Bremsen und Signaleinrichtungen betrifft, darf die 29.013 nicht einfach so auf Staatsbahngleisen in Belgien fahren, wie Pieter Jonckers, der Direktor der TrainWorld dazu sagt: „Es hängt von der neuen belgischen Bundesregierung ab, ob unser Projekt laufen kann. Alles muss den Sicherheitsvorschriften entsprechen und heute gelten strenge Vorschriften. Eine davon ist, dass die Türen der Züge nur automatisch geöffnet und geschlossen werden dürfen, doch eine alte Dampflok hat kein automatisches Türschließsystem. Das entsprechende Gesetz kann Ausnahmen vorsehen, doch diese können nur von der belgischen Regierung erlassen werden. Wir müssen also warten, bis eine neue Regierung gebildet werden kann.“

Klappt alles so, wie sich die TrainWorld das vorstellt, dann könnten Dampfzüge mit der 23.013 nächstes Jahr zwischen Mai und September an jedem ersten Sonntag im Monat von Schaarbeek nach Mechelen und wieder zurück fahren. Schön wär’s ja…