Kortrijk wertet die Mobilfunkdaten der auswärtigen Besucher aus

Kortrijk in der Provinz Westflandern lässt seit einigen Monaten digital erheben, wer die Stadt besucht und was die Besucher dort unternehmen. Dabei kann der Kommunalrat auf Daten des belgischen Telekomanbieters Proximus zurückgreifen, die aus den Mobiltelefonen der auswärtigen Besucher gefiltert werden. Die Privacy-Kommission der belgischen Bundesbehörden gab an, die Daten seien gesetzeskonform verwendet worden. Jetzt konnten die ersten Analysen, die Kortrijk marketingtechnisch nutzen wird, veröffentlicht werden.

In den Monaten Juni, Juli und August im vergangenen Sommer besuchten 1.799.336 auswärtige Gäste die westflämische Zentrumstadt Kortrijk. Das entsprach im Durchschnitt, wie den Daten des Telekom-Providers Proximus zu entnehmen ist, täglich 19.558 Besuchern.

Die Daten, die Kortrijk daraus nutzt, betreffen nur auswärtige oder ausländische Gäste. „Das bedeutet, dass diese Daten keinen betreffen, der hier studiert oder wohnt und arbeitet, sondern lediglich Leute, die hierherkommen, um zu shoppen oder um ein Event zu besuchen“, sagt Kortrijks Stadtverordneter für Wirtschaft, Arne Vandendriessche (Team Burgemeester - Foto unten) dazu.

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Es dauerte lange, bis die Verantwortlichen der Stadt Kortrijk mit den von Proximus erhobenen Daten arbeiten konnten, denn der staatliche Ausschuss für den Schutz des Privatlebens, die in Belgien sogenannte Privacy-Kommission, wachte über das Projekt mit Argusaugen. Doch als effektiv deutlich wurde, dass die Daten korrekt eingefangen und ausgewertet wurden, gab der Ausschuss grünes Licht für die Nutzung.

Wie wurden diese Daten eingefangen und ausgewertet?

Die entsprechenden Zahlen bekommt Kortrijk vom belgischen Telekomanbieter Proximus. Der zählte z.B. über die Mobiltelefone, wie viele Handys oder Smartphones sich in welchem Moment in welchem Stadtteil in Kortrijks Zentrum befanden. Die Proximus-Zahlen wurden extrapoliert, d.h. sie wurden hochgerechnet auf die Mobiltelefone der Proximus-Konkurrenten, um ein genaueres und globaleres Bild zu erhalten.

Laut Stadtratsmitglied Arne Vandendriessche kostet diese Analyse jährlich rund 40.000 € und liefert der Stadt wichtige und wertvolle Daten, die man nutzen möchte, um sowohl wirtschaftlich, als auch touristisch und marketingtechnisch auf die Bedürfnisse von auswärtigen Besuchern eingehen zu können. 

Neben der Anzahl Besucher können wir auch deren Nationalität, die Herkunft pro Provinz und sogar pro Gemeinde herausfinden.“

Kortrijks Stadtverordneter für Wirtschaft, Arne Vandendriessche

Ab jetzt wolle man eine solche Analyse jedes Quartal vornehmen, so der Stadtverordnete für Wirtschaft in Kortrijk: „Denn neben der Anzahl Besucher können wir auch deren Nationalität, die Herkunft pro Provinz und sogar pro Gemeinde herausfinden. Wenn wir diese Daten mit den Daten des Kredit- oder Bankkartenverhaltens vergleichen, wissen wir, wofür Geld ausgegeben wird und weshalb die Leute nach Kortrijk kommen.“ 

Was fanden die Verantwortlichen noch heraus?

Unter anderem fanden die Tourismus- und Wirtschaftsverantwortlichen von Kortrijk heraus, welche Events die Besucher angezogen haben. Eine Topveranstaltung war hier der große Straßen- und Ausverkaufsmarkt am Pfingstsonntag mit fast 49.000 auswärtigen Besuchern. Zudem besuchten viele Gäste von auswärts die Musikfestivals Alcatraz (Metall- und Hardrock) und Kamping Kitsch (Trash-Pop).

76 % der auswärtigen Besucher in Kortrijk kamen aus der eigenen Provinz Westflandern, 4,82 % aus der benachbarten wallonischen Provinz Hennegau und immerhin noch 1,53 % aus der Provinz Antwerpen. Die meisten ausländischen Besucher kamen aus Richtung Frankreich in die Stadt, gefolgt von rund 11.000 Niederländern. Jetzt muss das Amt für Citymarketing von Kortrijk sehen, wie diese Datenanalyse lukrativ verwendet werden können, denn das ist ja das Ziel dieser Erhebung.