Neue Debatte zum Thema Sterbehilfe in Belgien entfacht

Spätestens seit dem Tod der international bekannten belgischen Rollstuhl-Athletin Marieke Vervoort in der vergangenen Woche, die ihrem Leben nach unerträglichen Schmerzen mit Sterbehilfe ein Ende bereitete, ist dieses Thema wieder auf der Tagesordnung. Jetzt regte Gwendolyn Rutten, die Vorsitzende der flämischen Liberalen Open VLD eine neue Debatte an, in dem sie Sterbehilfe auch dann ermöglichen will, wenn alte Menschen nicht mehr leben wollen.

Rutten fordert vom belgischen Bundesparlament, wenn es denn bald eine neue Bundesregierung gibt, eine neue Debatte um das Gesetz zur Sterbehilfe in unserem Land. Die flämische Liberale ist der Ansicht, dass es an der Zeit und legitim sei, über Sterbehilfe bei alten Menschen zu reden, die sich gerne aus ihrem Leben verabschieden möchten. Oftmals äußern hochbetagte Menschen den Wunsch, sterben zu dürfen, weil ihnen das jetzige Leben nichts mehr bringt, nichts mehr sagt. 

Dies deuteten auch vor einigen Tagen auch die ehemalige Radio- und TV-Moderatorininnen Lutgart Simoens (91) und Paula Sémer (94) an, die in Meinungsbeiträgen für unseren Rundfunk VRT schrieben, dass ihr das Leben nichts mehr bedeute und dass sie gerne sterben möchten, auch wenn sie nicht krank sind. Unter dem Eindruck des Freitods von Marieke Vervoort und den Beiträgen von Lutgart Simoens und Paula Sémer regte Gwendolyn Rutten jetzt in Belgien eine neue Debatte zu diesem Thema an.

Das belgische Gesetzbuch sieht zum Thema Sterbehilfe folgendes vor: Menschen können Sterbehilfe beantragen, wenn sie körperlich unerträglichem Leiden ausgesetzt sind, z.B. wenn sie an einer unheilbaren Krankheit leiden. Der berühmte flämische Dichter und Autor Hugo Claus setzte seinem Leben mit Sterbehilfe ein Ende, als er die Diagnose Demenz erhielt. Er gab damals zu verstehen, dass er sein Leben nicht als ein dementer Mensch beenden wolle, der keine eigene Entscheidung mehr treffen könne.