Die belgische Bahn will weiter Pestizide entlang der Gleise nutzen

Infrabel, der Infrastrukturdienstleister der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, will sich bei den Ländern und Regionen um eine Ausnahmegenehmigung für die Nutzung von chemischen Unkrautvertilgungsmittel bemühen. Damit soll die Vegetation auf dem Gleisbett bekämpft werden, die andernfalls für Probleme bei der Sicherheit des Bahnverkehrs sorgen wird, so Infrabel. Das Problem dabei ist, dass es sich dabei offenbar um das umstrittene Mittel „Roundup“ handelt, in dem bekanntlich Glyphosat enthalten ist. 

Ein Sprecher von Infrabel bestätigte in dieser Woche Meldungen einiger flämischer Tagezeitungen, u.a. Het Nieuwsblad, wonach der Infrastrukturdienstleister und Gleisnetzbetreiber weiter mit Pestiziden arbeiten will, um den Pflanzenbewuchs im Gleisbett des Schienennetzes zu bekämpfen. Infrabel führt hier sicherheitstechnische Gründe an.

Man habe bisher keine effektiv wirksamen alternativen Mittel gefunden, hieß es dazu. Zeitungsberichten zufolge nutzt Infrabel zur Unkrautvernichtung auf den Gleisen „Roundup“, ein sehr umstrittenes Mittel, das Glyphosat enthält und deshalb im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Im belgischen Bundesland Flandern ist der Einsatz solcher Mittel bei den Unternehmen der öffentlichen Hand schon seit dem 1. Januar 2015 verboten, doch Infrabel erhielt eine Ausnahmegenehmigung, die allerdings Ende 2020 ausläuft. Auch in der Region Brüssel-Hauptstadt gilt für Infrabel eine solche Ausnahmegenehmigung. 

Unter den Gleisen liegt Ballast, das ist Schotter. Wenn in diesem Schotter Unkraut wächst, verliert dieser seine Fähigkeit, Regenwasser abzuleiten und Schockbewegungen aufzufangen.“

Infrabel-Sprecher Thomas Baeken

In der Wallonie hat Infrabel offenbar bereits 2017 um eine entsprechende Ausnahmegenehmigung gebeten, diese aber bis heute nicht erhalten. Infrabel hat also ein Problem, denn seit dem 1. Juni 2019 gilt in Belgien ein generelles Verbot für den Einsatz von scharfen chemischen Unkrautvernichtern wie Glyphosat-haltige Produkte vom Typ „Roundup“ und zwar für alle öffentlichen Flächen. Das sind nicht nur Parks oder andere städtische Grünflächen, sondern auch eben Bereiche, wie die rund 6.000 km Gleisanlagen der halbstaatlichen belgischen Eisenbahn.

Infrabel-Sprecher Thomas Baeken sagte dazu gegenüber VRT NWS: „Unter den Gleisen liegt Ballast, das ist Schotter. Wenn in diesem Schotter Unkraut wächst, verliert dieser seine Fähigkeit, Regenwasser abzuleiten und Schockbewegungen aufzufangen (die entstehen, wenn ein Zug auf Schienen fährt (A.d.R.)). Darum setzen wir einen speziellen Zug ein, der zielgerichtet und wo es nötig ist, einen Unkrautvernichter sprüht.“

Infrabel gibt dazu weiter an, dass auch die meisten anderen Eisenbahngesellschaften bzw. Gleisnetzbetreiber mit diesem Problem zu kämpfen haben. Man wolle auch Lösungen im internationalen Verband suchen und finden, doch derzeit gebe es keine wirksamen und alternativen Möglichkeiten.