Ende Oktober, Anfang November 1944: Ganz Belgien befreit

In der Zeit vom 30. Oktober bis zum 8. November 1944 wurde ganz Belgien befreit. Die letzten deutschen Einheiten ergaben sich den Alliierten und durch die Landung auf Walcheren konnten die Deutschen auch vom Ufer der Westerschelde vertrieben werden, womit die Schelde und der Hafen von Antwerpen als Nachschubweg für die Alliierten auf dem Weg nach Deutschland endlich genutzt werden konnten.

Im Kampf um die Scheldemündung konnte der letzte Widerstand der Deutschen auf belgischem Boden gebrochen werden und am Abend des 1. Novembers rückten kanadische Soldaten in die kleine Stadt Sluis in Zeeuws-Flandern vor. Nur kurz danach marschierten sie auch in das Grenzdorf Sint-Anna-ter-Muiden ein und konnten über die belgische Grenze nach Knokke vorstoßen.

General-Major Knut Eberding, der Kommandant der deutschen „Festung Schelde-Süd“, kapitulierte, nachdem seine Einheit und sein Standort eingekesselt wurden. Er ergab sich in einem Bauernhof südlich von Knokke (Foto unten).

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General-Major Eberding geht in Gefangenschaft

Die letzten deutschen Stützpunkte waren danach noch die Garnisonen in Zeebrügge und in Heist-aan-Zee bei Knokke. Hier hatten sich die Deutschen rund einen Monat lang in der teilweise überfluteten Polderlandschaft verschanzt, doch jetzt konnten sie von kanadischen Einheiten in ihrem Rücken angegriffen werden. Die Deutschen ergaben sich am 3. November und damit war ganz Belgien befreit. Daran hatten die kanadischen Truppen einen großen Anteil. Diese wurden zudem erfolgreich von belgischen Widerstandskämpfern unterstützt.

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Alliierte Soldaten vor dem Prinz Boudouin-Hotel in Knokke

Die Eroberung des linken Ufers der Scheldemündung allerdings erwies sich als ein wesentlich schwierigeres Unterfangen, als geplant. Die Alliierten brauchten rund einen Monat, um die Kämpfe erfolgreich abschließen zu können und verloren alleine dabei rund 800 Soldaten, die dabei gefallen waren. Auf deutscher Seite fielen etwa 1.300 Soldaten und rund 8.000 Wehrmachtsangehörige gerieten in Kriegsgefangenschaft. 

„Operation Nordsee“, die Invasion der Alliierten auf Walcheren

Die letzte Phase der Eroberung der Scheldemündung war die „Operation Nordsee“, die Invasion der Insel Walcheren. Die Deutschen hatten am 30. Oktober 1944 die Nachbarinsel Zuid-Beveland verlassen, da sich den kanadischen Angriffen ausweichen wollten.

Auf Walcheren verschanzten sie sich am Ufer der Sloe, der Wasserarm, der die Insel von Zuid-Beveland trennte. Hier kam der Angriff der Alliierten ins Stocken.

Am 1. November setzten die Alliierten zu einem umfassenden Angriff an, der in einer doppelten Invasion gipfelte. Frühmorgens bei Sonnenaufgang landeten britische Landungsboote aus Richtung Westerschelde in der Nähe der niederländischen Hafenstadt Vlissingen und nur wenig später feuerten Kriegsschiffe auf die Bunker in Westkapelle im Westen von Walcheren. Direkt nach dem Artilleriebeschuss landeten britische Marinesoldaten in Westkapelle und schalteten in einer schweren Schlacht nach und nach die deutschen Kanonen aus.

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Britische Landungboote auf Walcheren

Jetzt wurde die Lage der letzten deutschen Einheiten hoffnungslos, zumal es den Kanadiern in der Nach vom 2. auf den 3. November doch noch gelang, über die Sloe zu kommen. Doch zunächst wehrten sich die Deutschen noch sehr heftig. Am 3. November wütete in Vlissingen ein heftiger Häuserkampf, bei dem Teile der Stadt schwer zerstört wurden. Doch bis zum 5. November konnten die letzten deutschen Truppen vom Ufer der Westerschelde vertrieben oder gefangengenommen werden. Auf Walcheren bieten die Deutschen, die inzwischen im Zentrum der Insel zusammengetrieben wurden, weiter heftigen Widerstand. Schottische Einheiten können sich aber inzwischen mit Amphibienfahrzeugen in der Polderlandschaft bewegen und dringen bis Middelburg vor.

Die Ortschaft ist völlig überbewohnt - auch durch Flüchtlinge aus anderen umkämpften Gegenden und jetzt strömen dort auch noch die deutschen Soldaten zusammen. Die Verantwortlichen der Gemeinde raten den Deutschen, sich zu ergeben. Inzwischen kommen auch dort Meldungen an, dass die Kanadier in ganz Seeland vorrücken, doch die Wehrmacht will sich nicht beugen.

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Britische Infanterie und leichte Panzer in Middelburg

Inzwischen werden auf der Westerschelde die Minen geräumt

Während auf Walcheren rund um Middelburg noch immer die Kämpfe wüten, beginnen Marineeinheiten aus Großbritannien, Belgien und den Niederlanden mit 40 Minensuchbooten mit dem Räumen der Minen auf dem Fluss. Die Ufer mögen erobert sein, doch Schiffe können sich auf der Westerschelde nicht bewegen, denn dort wurden zahllose Minen gelegt. Hunderte Minen schwimmen unter der Wasseroberfläche auf den 88 km zwischen der Mündung der Schelde und dem Hafen von Antwerpen. Die Minenräumaktion, die „Operation Calendar“, ist wohl die schwierigste Operation ihrer Art des ganzen Zweiten Weltkriegs.

Im Laufe der Zeit gelingt das Minenräumen. Die meisten Minen werden vor Ort in der Schelde zur Explosion gebracht, andere am Ufer. Im Hafen von Antwerpen entschärfen Tauscher die Minen. Der Weg nach Antwerpen war frei. Inzwischen drängte die Zeit, denn dieser Hafen war der einzige Hafen, der eine Nachschublinie für die Alliierten auf direktem Wege garantieren konnte. Es dauerte aber noch bis zum 8. November, bis die Deutschen auf Walcheren aufgaben. 

Ein Minensucher (IWM A26618) und Minensprengung (IWM A26624) auf der Westerschelde