Immer mehr Menschen stellen ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung

An Allerheiligen und Allerseelen gedenken viele Menschen der Verstorbenen. Doch heute gehen viele Zeitgenossen mit dem Tod, auch und gerade mit ihrem eigenen Tod, ganz anders um, als früher. Einige von ihnen wollen auch nach ihrem Ableben für etwas sinnvolles sorgen und spenden ihren Körper der Wissenschaft. Im belgischen Bundesland Flandern z.B. machen immer mehr Menschen diesen Schritt.

In Flandern stellten im vergangenen Jahr 410 Menschen ihren Körper nach ihrem Tod der Wissenschaft zur Verfügung. Die Wissenschaft und die Medizin freuen sich darüber, dass immer mehr Menschen so denken. Professor Paul Herijgers, Dekan der medizinischen Fakultät der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven), dankt es denen, die diesen Schritt tun: „Das ist eine sehr edelmütige Tat.“

Die Medizinstudenten aller Fachrichtungen brauchen Leichen, um anatomische Erfahrungen zu sammeln. Das betrifft nicht nur angehende Mediziner und Fachärzte, sondern auch z.B. Zahnärzte und Heilgymnastiker (in Belgien auch Kinesitherapeuten genannt).

Doch auch erfahrene Mediziner brauchen Leichname, um mit ihnen zu arbeiten, so Professor Herijgers: „Eine andere Gruppe von Nutzern sind erfahrene Ärzte oder Chirurgen, die bestimmte neue Möglichkeiten oder Operations- und Behandlungstechniken lernen müssen, z.B. Implantate oder Prothesen. Eine dritte Zielgruppe sind reine Wissenschaftler und Forscher, die z.B. wissen wollen, wie ein neues künstliches Herz eingepflanzt werden kann.“ 

Das ist eine sehr edelmütige Tat.“

Professor Paul Herijgers, Dekan der medizinischen Fakultät der Katholischen Universität Löwen

Der Dekan der medizinischen Fakultät der KUL hält es für eine lobenswerte Sache, seinen Körper der Wissenschaft zu spenden: „Damit zeigt man auch nach seinem Ableben, dass man etwas nützliches tun möchte. Wir sind hier sehr dankbar für. Diese Leute tragen zur Ausbildung unserer zukünftigen Ärzte, Zahnärzte und Kinesitherapeuten bei. Dies erlaubt uns, weiter forschen zu können.

Letztes Jahr spendeten 410 Menschen ihren Körper der Wissenschaft. Davon profitierten die medizinischen Fakultäten der Universitäten von Antwerpen, Gent, Kortrijk, Hasselt und vor allem Löwen. Überall steigen diese Zahlen individuell, doch, so Professor Herijers, „es könnten noch mehr werden!“

Es könnten noch mehr werden!“

Professor Paul Herijgers, Dekan der medizinischen Fakultät der Katholischen Universität Löwen

Menschen, die ihren Körper in Flandern der Wissenschaft zur Verfügung stellen möchten, können die recht einfach tun. Sie nehmen am besten bereits bei bester Gesundheit Kontakt zu der Universität auf, der sie sie ihren Leichnam übertragen wollen.

Hier wird man in einer Datenbank registriert und ein entsprechendes Dokument (mit testamentarischer Bedeutung), das man am besten stets bei sich trägt, weist einen als Spender aus. Nach dem Tode muss dann der von den Angehörigen angestellte Beerdigungsunternehmer alles weitere in Bewegung setzen, damit der Leichnam zur ausgewählten Uni gelangt. Das geschieht am besten innerhalb von 72 Stunden.

Die Leichen bleiben für die Dauer von bis zu zwei Jahren bei den Universitäten. Danach werden die Leichen wieder freigegeben und den Familien zurückgegeben. Diese können dann beschließen, auf welche Art und Weise ihr verstorbener Angehöriger beerdigt werden soll. Manchmal haben die Verstorbenen auch dies bereits im Vorfeld selbst beschlossen.