© Marie-Françoise Plissart

"Der Mann der Züge liebte" - Paul Delvaux in der Train World

Der surrealistische belgische Maler Paul Delvaux (1897-1994) ist einer der beliebtesten Maler unseres Landes. Immer wieder ließ er sich für seine Werke von der Eisenbahn inspirieren. Für das Eisenbahnmuseum der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, die Train World im Brüsseler Stadtteil Schaarbeek, lag es also nahe, die eigene Sammlung und die die Bahn betreffenden Gemälde von Delvaux zusammenzubringen. Herausgekommen ist eine spannende Ausstellung, die bei weitem nicht nur Kunstbegeisterte und Eisenbahnfans in ihren Bann zieht.

25 Jahre nach dem Tod von Paul Delvaux widmet die Train World, das Museum der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, diesem nicht nur im eigenen Land beliebten surrealistischen Maler eine Ausstellung, die dessen vom Thema Eisenbahn durchzogene Bilder in ein völlig neues Licht rücken. 

Diese poetischen und auch mysteriösen Werke fügten die Ausstellungmacher in das Szenario der Train World ein und schufen damit eine eigene ebenfalls irgendwie surrealistische Atmosphäre, die den Betrachter aus dem Staunen nicht herauskommen lässt.

Hinzu kam noch die Tatsache, dass Bahnchefin Sophie Dutordoir unlängst vier bahnbezogene Delvaux-Gemälde, die in ihrem Büro hingen, der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte. Diese Werke, die hier zum ersten Mal zu sehen sind, hatte die Bahn 1963 in Auftrag gegeben (siehe nebenstehenden  Beitrag). Neben etwa 50 Gemälden zeigt die Ausstellung auch eine ganze Reihe Zeichnungen und Aquarelle, die teilweise als Vorprojekte zu späteren Ölgemälden angefertigt wurden. Auch dies trägt zur Spannung von Paul Delvaux, „Der Mann der Züge liebte“, bei. Und historische Fotos und Filme zeigen zudem den Eisenbahnfreund in Paul Delvaux.

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© Marie-Françoise Plissart

Die Welt des Paul Delvaux

Je tiefer man in die Welt des Paul Delvaux eintaucht, je deutlicher wird die enge Verbindung der Eisenbahn zu dessen magischer Bilderwelt. Paul Delvaux, der in jungen Jahren wohl mehrmals in der Nähe von Bahnhöfen gelebt hat, ist von der Eisenbahn begeistert. Das merkt man, wenn man Bilder in Augenschein nimmt, in denen die Bahn einen wichtigen Raum zur Gestaltung eines jeweiligen Werks einnimmt. Die Details stimmen. Immer haben die Lokomotiven, die Waggons, die Technik und die Gebäude ein existierendes Vorbild, wenn sie auch mal perspektivisch angepasst wurden, um ein Gemälde stimmiger zu gestalten. Da wird nicht nur irgend eine Lok schemenhaft abgebildet, sondern immer eine ganz bestimmte Maschine.

Einige Details tauchen zudem immer wieder auf und neben seinen typischen Details, die in vielen Werken auftauchen, kehren auch die bahnspezifischen Eckpunkte immer wieder zurück, wie Marijke Keersebilck von der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Train World bemerkt: „Das sind zum Beispiel immer wieder die drei roten Rückleuchten eines Güterzugbegleitwagens, die neben dem kleinen Kerzenleuchter, den kleinen Mädchen, die dem Betrachter den Rücken kehren, der Nacktheit der Frauen und einiges mehr, immer wieder dargestellt werden.“

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Foto: Andreas Kockartz

Die Eisenbahn - mehr als nur eine Statistenrolle

Mehrmals tauchen bestimmte Eisenbahnfahrzeuge in den Bildern von Paul Delvauxauf, wie z.B. die Dampflokomotive der Baureihe „1“ vom Typ 1 EB (gebaut ab 1864 waren diese Loks bis 1922 im Einsatz) in „La gare forestière“ aus dem Jahr 1960 oder der Güterzugbegleitwaggon vom Typ „Flamme“, wie übrigens einer vor dem denkmalgeschützten Bahnhof von Schaarbeek aufgestellt wurde, um für die Ausstellung zu werben. Dieser Waggon taucht mit seinen drei roten Rückleuchten immer wieder auf. Auch alte Güterwaggons mit höhergestellten Bremserhäuschen an einem Ende kommen oft vor, z.B. in den frühen Gemälden „La Gare“, „Les Cheminots de la Gare du Luxembourg“ und „Gare du Luxembourg sous la neige“ aus den 1920er Jahren, in denen das Geschehen um die Bahn und um die dort arbeitenden Menschen das konkrete Motiv sind.

Interessant ist, dass sich die frühen Erinnerungen des Künstlers bis in seine spätere Schaffenszeit hineinziehen. In den Bildern „Les Ombres“ und „Chrysis“ aus den 1960er Jahren tauchen Bahnfahrzeuge auf, die in dieser Zeit schon längst den Weg allen alten Eisens gegangen waren… Doch als Rahmen für ein Szenario rund um sein zweites ewiges Thema, die Frau, dienen auch solche Details für die Zeitlosigkeit seines Werkes.

Die Ausstellung Paul Delvaux, „Der Mann der Züge liebte“, kam in Kooperation zwischen der Train World und der Stiftung Paul Delvaux zusammen, die mit rund 3.000 Werken die weltweit größte Sammlung zu dem Surrealisten besitzt. Viele dieser Werke und zahllose andere Objekte sind im Paul Delvaux Museum in Sint-Idesbald bei Koksijde an der belgischen Küste zu sehen (www.delvauxmuseum.com).

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KMSK / Paul Delvaux Foundation

Aktivitäten im Rahmen der Ausstellung

Paul Delvaux, „Der Mann der Züge liebte“, bildet einen Rahmen zu vielseitigen Aktivitäten. Die Train World bietet z.B. literarische Führungen an und sie sorgt innerhalb ihres Szenarios auch für familien- und kinderfreundliche Aktionen. „An einigen Stellen in unserem Museum haben wir Gegenstände hinterlegt, mit denen Kinder und ihre Eltern versuchen können, Szenen aus Bildern von Paul Delvaux nachzustellen. Das sorgt für großen Spaß und nimmt dem Ganzen seine Ernsthaftigkeit.“, so Marijke Keersebilck.

Mit einer spielerischen Suchanleitung für Kinder von 6 bis 12 Jahren kann das Ganze recht abenteuerlich erlebt werden und öffnet Kindern und deren Familien sowohl die Augen für die Kunst und das Werk von Paul Delvaux, als auch für die Geschichte der Eisenbahn in Belgien. Viele Aktivitäten und auch einiges an Begleitmaterial sind in vier Sprachen verfügbar: Niederländisch, Französisch, Deutsch und Englisch. Führungen, Jugendgruppen und Schulklassen sollten im Vorfeld angemeldet werden.

Paul Delvaux, „Der Mann der Züge liebte“, noch bis zum 15. März 2020 in der Train World, Princes Elisabethplein 5, B-1030 Brüssel/Schaarbeek. Infos: www.trainworld“.be Der Bahnhof von Schaarbeek und die Train World sind natürlich am besten mit der Bahn zu erreichen und in der Woche führen einige Tramlinien aus dem Brüsseler Stadtzentrum direkt zum Princes Elisabethplein in Schaarbeek. 

Der Nachbau des Ateliers von Paul Delvaux in Miniaturgröße/Foto: Andreas Kockartz