Flandern ist noch weit von den 2020-Zielen für erneuerbare Energien entfernt

Flandern kann die Ziele für 2020 für erneuerbare Energien fast nicht mehr erreichen. Dies geht aus den jüngsten Zahlen der Flämischen Energieagentur hervor. Die Region hat zwar in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, aber der Abstand zu den Zielen 2020 ist immer noch sehr groß. Das Bundesland müsste fast fünfmal schneller voranschreiten, damit die Energieziele noch erreicht werden.

Erneuerbare Energien sind Ökostrom aus Wind oder Sonne, Ökowärme aus Wärmepumpen und Biokraftstoff. Belgien muss bis 2020 bestimmte Ziele für alle diese Energiearten erreichen. Dies wurde im Europäischen Klima- und Energiepaket vereinbart. Das Paket aus verbindlichen Rechtsvorschriften soll sicherstellen, dass die EU ihre Klima- und Energieziele bis 2020 verwirklicht. Im Rahmen der Richtlinie über Energie aus erneuerbaren Quellen haben die EU-Länder verbindliche nationale Ziele zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energiequellen an ihrem Energieverbrauch bis 2020 festgelegt. Im föderalen Belgien wurden die Ziele weiter nach Regionen aufgeschlüsselt.

Was nun aus den jüngsten flämischen Zahlen ersichtlich wird, ist: Zwischen den Planzahlen und den erreichten Ist-Zahlen besteht eine große Kluft.

So hätte Flandern 2018 beispielsweise 8.649 Gigawattstunden Ökostrom erzeugen müssen. Geschafft hat die Region 8.525 Gigawattstunden. Im Jahr 2020 benötigen die Flamen 10.519 Gigawattstunden Ökostrom.

Bei Ökowärme ist der Unterschied noch größer. So war das Ziel 8.473 Gigawattstunden im Jahr 2018, aber Flandern landete bei knapp 7.800. Nächstes Jahr sollen es 9.197 Gigawattstunden werden.

Im vergangenen Jahr ist der Gesamtanteil der erneuerbaren Energien in Flandern weiter gewachsen und die Lücke zu den Zielen 2020 wurde um 2,5 Prozent verringert: Die Region liegt bei etwa 78 Prozent der Ziele. Doch noch immer beträgt die Differenz zwischen dem erreichten Wert von 2018 und dem Zielwert von 2020 nicht weniger als 22 Prozent. Ein Unterschied, der höchstwahrscheinlich nicht mehr überbrückt wird.

Biomasse

In den letzten Jahren sind jedoch Windturbinen und Solarzellen hinzugekommen. Im Jahr 2018 erzeugten sie in Flandern (etwas) mehr Strom als die Zielwerte. Um die Ziele von 2020 zu erreichen, müssen jedoch noch viel mehr Solarzellen und Windturbinen hinzukommen. Und zum Beispiel hinsichtlich  Windkraftanlagen – gegen die es immer noch großen Widerstand gibt - wird nicht erwartet, dass wir dieses Ziel erreichen.

Das Hauptproblem liegt allerdings bei Biomassekraftwerken, die sowohl Ökostrom als auch grüne Wärme liefern, z.B. durch Verbrennung von Holz oder Grünabfällen. Biomasse ist nach wie vor eine der wichtigsten Quellen für erneuerbare Energien in Flandern, aber die Zahlen für die Strom- und Wärmeerzeugung stagnieren oder verschlechtern sich sogar. Die Differenz zum Vorjahresziel war daher groß. Dies wird durch die anderen erneuerbaren Energiequellen nicht kompensiert.

Organisation für erneuerbare Energie drängt zum Handeln

"Die Zahlen sind nicht sehr ermutigend", betont Bram Claeys von ODE, der Organisation für erneuerbare Energie. "Das Ziel für 2020 für Ökostrom und Ökowärme scheint derzeit schwer zu erreichen. Wir müssen mehr als einen Gang hochschalten."

Claeys weist unter anderem auf das Problem der Biomasse hin. "Wir wissen, dass eine Reihe von Investitionen in Betracht gezogen werden, aber die Frage ist, ob sie rechtzeitig erfolgen, um im Jahr 2020 etwas zu bewirken.

Nach Angaben der Organisation für erneuerbare Energie wird es besonders schwierig werden, die Ziele im Jahr 2020 zu erreichen. Ihre Sorge gilt auch der Politik der neuen flämischen Regierung. "Die ersten Maßnahmen waren nicht darauf ausgerichtet, das Wachstum zu beschleunigen, sondern das Gegenteil ist der Fall", sagt Bram Claeys. "So wird beispielsweise die Unterstützung für Ökostromprojekte reduziert. Das ist das Letzte, was wir im Moment brauchen."