Nicolas Maeterlinck

Flanderns Regierung setzt auf Identität, will aber drastische Kürzungen im Kunstsektor: Wie geht das zusammen?

Der Kunstsektor stellt die von der flämischen Regierung vorgeschlagenen Einsparungen ernsthaft in Frage. "Eine Regierung, die auf diese Weise spart, greift in die Qualität unserer Kunst und die Zukunft des Sektors ein", betonte der oKo, der Dachverband des Kunstsektors, der schnelle Gespräche mit dem Ministerpräsidenten fordert.

"Dramatisch", "bedauerlich", "eine verpasste Gelegenheit", "Belästigung": Dies sind die ersten Reaktionen aus dem Kultursektor auf die geplanten Einsparungen von Flanderns Ministerpräsident und Kulturminister Jan Jambon (N-VA). Leider werde das Folgen für die Zusammenarbeit, für die Effizienz, die Beschäftigung und letztlich für die Öffentlichkeit haben, heißt es.

"In ihrem Koalitionsvertrag erklärt die flämische Regierung, dass sie sich auf Kultur, Qualität und internationale Ausstrahlung konzentrieren wolle. Gleichzeitig muss der gesamte Kunstsektor erhebliche Einsparungen vornehmen: Kunstinstitutionen, -organisationen und Künstler. Doch wie die Regierung diese Pläne miteinander vereinbaren will, wird offen gelassen. Die Chancen, von denen im Koalitionsvertrag Sprache ist, lassen sich vorerst nicht in eine Politik umsetzen. Leider wurde auch der Kunstsektor dazu noch nicht konsultiert", hebt Leen Laconte, Direktorin von OKO, hervor.

Jambon plant, bis zu 6% der Betriebsmittel von Kultureinrichtungen und 60% (mehr als 5 Millionen Euro) der Projektförderungen einzusparen. "Eine so große Ersparnis blockiert die Zukunft der Kunst. Und es gibt keine wirkliche Alternative. Der Sektor bittet Ministerpräsident Jan Jambon, den aktuellen Stand der Projektbeihilfen aufrechtzuerhalten. Da die Wirkung dieser Einsparung sehr schnell sichtbar sein wird und die Branche ihr Fachwissen und ihre Professionalität nutzen will, um mit der Regierung an Lösungen zu arbeiten, bittet oKo darum, sich schnell mit dem Ministerpräsidenten beraten zu dürfen.

Subventionen ermöglichen Innovationen

"Ob es sich nun um Vooruit oder Singel, Rosas oder Beursschouwburg handelt: Alle kritisieren, dass so viele Projektsubventionen so stark gekürzt werden", so Leen Laconte. "Weil sie viel tun, aber das Wichtigste ist, dass sie Künstlern die Möglichkeit geben, teilzunehmen. Es ermöglicht dem Sektor Innovationen."

Direktor Franky Devos vom Kunstzentrum Vooruit bestätigte dies. "Die hohen Einsparungen bei den Projektsubventionen untergraben den Zustrom junger Macher. Michael De Cock, der Direktor des KVS, spricht von "einem schweren Schlag für die darstellende Kunst". "Das widerspricht auch dem Geist des Koalitionsvertrages, der von Exzellenz spricht.“ Dass das ausgerechnet von einer nationalistischen Partei komme, die auf Identität setze, das verstehe De Cock nun wirklich nicht.

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Jef Neve Ymke Dirikx

Der Pianist Jef Neve geht noch weiter und spricht von "Belästigung": "Sie sprechen von 5 Millionen Euro, das sind Peanuts für den gesamten flämischen Haushalt. Doch für den gesamten Kultursektor ist dies eine Katastrophe. Das ist keine Rettung, das ist eine Belästigung. Sie versuchen, uns zum Schweigen zu bringen und uns nach ihrem Geschmack tanzen zu lassen, genau wie sie es mit der VRT zu tun versuchen. Eigentlich wollen sie ein strenger Lehrer im Klassenzimmer sein und wir müssen nur zuhören. Ich bin damit nicht einverstanden. Das ist unser Geld, unser Steuergeld, mit dem sie sich viel für ihre eigenen Posten und Löhne bezahlen."

Der Musiker sagt, dass er eine einfache Alternative für die hohen Einsparungen im Kulturbereich erarbeitet habe. "Wenn Sie sich die Abfindungszahlungen von Politikern ansehen, die nicht wiedergewählt wurden, sprechen wir von 22 Millionen Euro in allen Parlamenten. Vielleicht sollten alle Politiker ein Viertel dieser Abfindung aufgeben, und dann haben wir 5 Millionen Euro gefunden. Dann ist das Problem gelöst."

De Cock fordert von Jambon vor allem eine "Perspektive" für den Kultursektor.  "Was ist der Plan? Wo gehen wir hin? Wissen die Leute wirklich, was wir tun?"