Donald Tusk im Europakolleg in Brügge zum Brexit: „Das Ende des British Empire!“

Für den scheidenden EU-Ratspräsidenten Donald Tusk (Foto) wird Großbritannien nach dem Brexit kein "big player" mehr auf dem globalen politischen Parkett sein. Am 12. Dezember wählen die Briten ein neues Parlament und der Brexit soll dann im Januar 2020 folgen. Tusk rechnete bei seiner Rede im renommierten Europakolleg in Brügge mit dem Brexit ab. Doch auch Frankreichs Staatspräsident Macron bekam einen unmissverständlichen Seitenhieb. 

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat Großbritannien nach dem Austritt aus der Europäischen Union einen drastischen Abstieg vorausgesagt. Im Europakolleg in Brügge sagte er, dass das Britisch Empire in die Zweitklassigkeit absteigen werde: „Nach diesem Abschied wird das Vereinigte Königreich ein Außenseiter, ein zweitklassiger Spieler, während das wichtigste Schlachtfeld von China, den USA und der EU besetzt sein wird.“

In diesem Spiel hatten wir bereits Nachspielzeit. Jetzt sind wir in der Verlängerung. Vielleicht geht es sogar ins Elfmeterschießen." 

Donald Tusk zum Brexist

Tusk zog in Brügge eine Art Bilanz seiner fünfjährigen Amtszeit. Überall wurde er gefragt, warum die Briten sich das antun, z.B. auf offiziellen Reisen nach Südafrika, Indien, Kanada, Australien oder anderen Ländern, so Tusk in Brügge.

Im Hinblick auf die anstehenden Wahlen appellierte er an die Briten: „Gebt nicht auf. In diesem Spiel hatten wir bereits Nachspielzeit. Jetzt sind wir in der Verlängerung. Vielleicht geht es sogar ins Elfmeterschießen." Tusk erinnerte daran, dass er alles dafür getan habe, die Frist für den Brexit zu verlängern, um den Briten Zeit zum Nachdenken und für eine mögliche Kehrtwende zu gewinnen.

Kritik an Macron

In Brügge nutzte Donald Tusk aber auch die Gelegenheit, dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron einen deftigen Seitenhieb zu versetzen. Tusk kritisierte Macrons ablehnende Haltung zur EU-Erweiterung auf dem Balkan, bzw. zu Nord-Mazedonien und zu Albanien sowie zu dessen Haltung zu Russland: „Ich teile mit Macron den Traum eines echten souveränen Europas, doch ein souveränes Europa wird es nicht ohne einen stabilen und integrierten Balkan und ohne eine unabhängige Ukraine geben.“

Ich teile mit Macron den Traum eines echten souveränen Europas, doch ein souveränes Europa wird es nicht ohne einen stabilen und integrierten Balkan und ohne eine unabhängige Ukraine geben.“ 

Donald Tusk zu Emmanuel Macron

Macron forderte zuletzt auch wieder in The Guardian, dass Europa seine Beziehung zu Russland neu bewerten soll. Die Nato erklärte Macron für „Hirntod“, weil ihre Haltung zu Russland noch immer auf dem Kalten Krieg und auf dem Feindbild Russland beruhe. Doch Tusk erinnerte in diesem Zusammenhang in Brügge an die russische Invasion auf der Krim 2014 und zeigte sich stolz darauf, dass die damals verhängten Sanktionen der EU gegen Moskau unter seiner Führung immer wieder verlängert worden seien.

„Unsere harte und nachdrückliche Haltung gegenüber den Russen war der erste klar und deutliche Ausdruck unserer Souveränität“, so Tusk. Der ehemalige polnische Regierungschef Donald Tusk übernahm 2014 das Amt des EU-Ratsvorsitzenden von dem früheren belgischen Regierungschef Herman Van Rompuy und gibt dieses zum 1. Dezember an den bisherigen belgischen Premierminister Charles Michel ab.

Europa-Kolleg Brügge

Das Europa-Kolleg in Brügge, auch „College of Europe“ genannt, wurde 1949 gegründet und ist damit das älteste Postgraduate Institut im Bereich der europäischen Integration. Die Gründung geht auf den Europa-Kongress der Europäischen Bewegung in Den Haag zurück. Am Europa-Kolleg in Brügge machen jährlich rund 250 Hochschulabsolventen aus ganz Europa einen sogenannten „Master Degree in European Studies“.

Die Zugangsvoraussetzungen für das Elite-Studium sind hart: Gute Universitäts- oder Hochschulnoten, drei Professorengutachten und Auswahlgespräche, in denen die Studenten europäische Kenntnisse nachweisen müssen. Immer wieder zieht es führende Politiker in dieses renommierte Kolleg. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt dort schon eine Grundsatzrede zum Thema Europäische Union.