Flanderns Kultursektor protestiert gegen die Sparmaßnahmen

An diesem Donnerstagvormittag tagt der Kulturausschuss im flämischen Landesparlament in Brüssel. Diesen Anlass nutzt der Kultursektor in Flandern, um gegen die kürzlich angekündigten drastischen Sparmaßnahmen der Landesregierung. Namhafte Vertreter aus Kund und Kultur sitzen denn auch im Publikum bei dieser Ausschusssitzung, in der Flanderns Ministerpräsident und Landeskulturminister Jan Jambon (N-VA) dem Ausschuss seine Pläne vorlegt.

Am frühen Donnerstagmorgen trafen sich hunderte Vertreter aus dem Kunst- und Kulturbereich, darunter auch viele Schüler und Studenten aus den Kunstklassen, am Brüsseler Zentralbahnhof, um von dort aus gemeinsam zum Flämischen Landesparlament zu ziehen. Dort erklärt MP und Landeskulturminister Jambon dem Kulturausschuss seine Sparpläne. Unter den Zuhörern befinden sich mehrere Vertreter aus Kunst und Kultur, darunter die bekannten flämischen TV-, Film- und Theaterschauspieler Maaike Cafmeyer, Tom Van Dyck, Wim Opbrouck und Kevin Janssens.

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VRT

Am vergangenen Samstag wurde bekannt, dass die neue flämische Landesregierung bei der Kultur massiv den Rotstift ansetzt. Bei den Kultureinrichtungen in Flandern werden die strukturellen Zuschüsse um 6 % gesenkt und nur bei insgesamt sieben Einrichtungen der „Hochkultur“ beschränkt sich der einzusparende Prozentsatz auf 3 %.

Das ist der Fall in folgenden Einrichtungen: Vooruit in Gent, deSingel in Antwerpen, AB in Brüssel, het Kunsthuis (Opera Vlaanderen und Ballet Vlaanderen), das Antwerp Symphony Orchestra, Brussels Philharmonic und beim Concertgebouw Brügge. Noch schlimmer trifft es den unabhängigen und freien Kultursektor sowie einige Produktionen auch in den oben genannten Instituten. Hier werden die Projektzuschüsse um sage und schreibe 60 % gesenkt.

Die Zukunft von jungen Nachwuchskünstlern ist in Gefahr

Das bringt viele Kulturinitiativen an den Rand des Existenzminimums. Schon jetzt, nur wenige Tage nach Bekanntwerden des Streichkonzerts der Regierung Jambon I, geben einige Initiativen bekannt, dass sie ihre Aktivitäten beenden. Darunter ist z.B. das renommierte „Kunstfestival Watou“ bei Poperinge in Westflandern. Noch im laufenden Jahr vergab das flämische Kulturministerium 8,47 Mio. € Projektzuschüsse. Ab 2020 sinkt dieser Betrag auf 3,39 Mio. €.

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Kritikpunkt ist unter anderem, dass über die Finanzierung von Produktionen durch Projektzuschüsse viele junge Nachwuchskünstler aufgebaut werden. Ihnen werde jetzt eine kreative Zukunft verbaut. Auch aus diesem Grunde beteiligen sich viele Kunststudenten und Schauspielstudenten an dem Protest vor dem Landesparlament.

Diesen jungen Menschen müssen Chancen geboten werden, sagte z.B. der international bekannte flämische Schauspieler Frank Focketyn dazu. Schon am Dienstag hatten sich rund 2.000 Vertreter aus der flämischen und Brüsseler Kultur (die in ihrem niederländisch-sprachigen Bereich in der belgischen und flämischen Hauptstadt ebenfalls betroffen ist) vor der Brüsseler Beursschouwburg getroffen, um Aktionen zu besprechen.