BELGA/JANSENS

Weiter Streik bei De Lijn aber nur noch in Flämisch-Brabant

Der Sozialkonflikt bei der flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn geht weiter, konzentriert sich aber wieder lediglich auf die Provinz Flämisch-Brabant. Allerdings regt sich auch in Ostflandern weiter Unmut beim Personal. Am Mittwoch hatte die sozialistische Gewerkschaft ACOD einen flandernweiten Streik angezettelt, an dem sich aber die anderen Gewerkschaften nicht beteiligt hatten. Der Vorgang legt auch einen tiefen Riss zwischen den einzelnen Gewerkschaften bei De Lijn offen. Flanderns Regierung fordert unterdessen ein Mindestangebot von Fahrten im Streikfall von De Lijn.

Am Donnerstagmorgen wurde der Berufsverkehr in der Provinz Flämisch-Brabant einmal mehr von einem Streik der Busfahrer von De Lijn beeinträchtigt. Schwerpunkte sind hier in erster Linie die Linien und Regionen rund um Löwen und am Brüsseler Rand. Noch immer schwelt der Sozialkonflikt rund um eine allgemein schlechte Personalorganisation und um einen akuten Mangel an Personal (siehe nebenstehenden Bericht).

Zerstrittene Gewerkschaften

Inzwischen zeigt sich aber auch, dass die Gewerkschaften bei De Lijn zerstritten sind. Während die sozialistische ACOD als radikal und unnachgiebig gilt, wird der christlichen ACV eine zu große Nähe zu den Arbeitgebern und eine zu große Kompromissbereitschaft vorgeworfen. 

Dazwischen reibt sich die liberale ACLVB auf, die z.B. den flandernweiten Streik der ACOD ablehnte und darauf bestand, den Sozialkonflikt auf das umstrittene Kerngebiet Flämisch-Brabant zu konzentrieren. Alle drei Gewerkschaften sind sich aber einig in der Sache, dass vieles hier im Argen liegt.

Wie lange der Konflikt in Flämisch-Brabant noch dauern wird, ist fraglich. Mehrere Verhandlungen und Gesprächsrunden scheiterten bisher an der harten Haltung der Sozialisten und sogar eine Schlichtung am Dienstag wurde ergebnislos abgebrochen. Und ob sich der Streik auch in Ostflandern weiter fühlen lässt, bleibt abzuwarten.

Einigung am Donnerstag

Gegen Mittag wurde bekannt, dass sich die Direktion von De Lijn und die Gewerkschaften inklusive sozialistische ACOD auf ein gemeinsames Abkommen einigen konnten. Das bedeutet, dass der Streik, der seinen Schwerpunkt 10 Tage lang in Flämisch-Brabant hatte, ab Freitag zu Ende geht. De Lijn hatte weitreichende Zugeständnisse in der Frage des Personalmangels und der Gewährung von Urlaubstagen gemacht. Zudem sollen die Dienstpläne für die Busfahrer besser aufeinander abgestimmt und für mehr Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben sorgen. 

Regierung verlangt minimale Dienstleistung

Inzwischen übt die neue flämische Landesregierung Druck auf De Lijn aus, denn sie will, dass die Nahverkehrsgesellschaf im Streikfall ein Mindestangebot an Fahrten anbietet. Landesmobilitätsministerin Lydia Peeters (Open VLD) führt bereits Gespräche mit der Direktion von De Lijn und den dortigen Sozialpartnern.

Bisher ergaben sich daraus noch keine Lösungen. Können sich die Sozialpartner bis April 2020 nicht auf ein gangbares Ergebnis einigen, will die Landesregierung eine minimale Dienstleistung von oben herab diktieren. Flandern nimmt sich hier eine entsprechende Regelung auf belgischer Bundesebene bei der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB zum Vorbild.