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Größte belgische Handelsmission je in China: fünf Tage, um zu verkaufen und zu lernen

Unter Leitung von Prinzessin Astrid besuchen über 630 Unternehmen, Vertreter von Universitäten und Regierungsbehörden die Volksrepublik China. Es ist die größte Handelsdelegation je, die Belgien auf die Beine gestellt hat

Neben Prinzessin Astrid gehören auch fünf Minister und Staatssekretäre, bekannte Großunternehmen wie Barco, Bekaert und Agfa und viele mittelgroße Betriebe zu diesem Tross. Der dichte Terminkalender ist genau getaktet: Neben Gesprächen mit chinesischen Ministern, Besuchen bei Internetriese Alibaba, der Teilnahme an Seminaren und Arbeitsfrühstücken sind  auch individuelle Begegnungen mit chinesischen Partnern vorgesehen.

Nach China, um zu lernen

Die Zeiten sind vorbei, als ein mittelständischer Betrieb einen Termin mit einem Staatsunternehmen vereinbaren konnte, weiß Bart Horsten, der seit 23 Jahren als Unternehmer und Berater in China aktiv ist: „Mittlerweile haben die Chinesen selbst Geld, Technologie und Marketingkompetenz.“

Fachautor Pascal Coppens hat ein Buch über Innovation in China geschrieben und bestätigt, dass die Chinesen in vielen Bereichen aufgeholt und den Westen auch überholt haben. „Wir sollten heute insbesondere nach China schauen, um zu lernen, nicht nur um zu verkaufen. In einem Markt mit 1,4 Milliarden Konsumenten erfolgt Innovation in einem schnellen Tempo. Als belgisches Unternehmen kann man hier lernen, wie effizientes Innovieren und Produzieren geht.“

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Made in Belgium

Trotzdem hat Belgien der chinesischen Wirtschaft auch etwas zu bieten. In ihrem Fünfjahresplan hat die chinesische Regierung die Förderung von Sektoren wie Umwelt und Gesundheitssorge verankert. Für Pharmabetriebe, Cleantech- oder Müllverarbeitungsunternehmen gibt es in China Potential. "Nicht aber für alltägliche Produkte“, hat Chinakenner Horsten festgestellt.

In chinesischen Supermärkten findet man inzwischen Bier und Schokolade in Hülle und Fülle: früher eine Seltenheit und der ganze Stolz des belgischen Exports. Heute haben Schokoladen- und Pralinenmanufakturen in China nur noch eine Chance, wenn sie ein besonders hochwertiges belgisches Produkt verkaufen. Die wachsende chinesische Mittelschicht sucht nach authentischen Feinschmeckerprodukten. Ein Sektor, in dem Belgien einen guten Ruf genießt. 

BELGA/DECONINCK

Chinesische Studenten

Zur Wirtschaftsdelegation zählen ebenfalls belgische Universitäten, darunter die KU Leuven, Thomas More, die Universitäten von Gent und Antwerpen. Ihre Vertreter besuchen die Partneruniversitäten und erhoffen sich eine Verstärkung der Zusammenarbeit.

An der Universität von Gent studieren fast 600 Chinesen, Tendenz steigend. Zu der weltoffenen Perspektive, die die UGent anstrebt, gehört unbedingt die Zusammenarbeit mit China, betont die Vize-Rektorin Mieke Van Herreweghe.

Der erste Güterzug, der Lüttich direkt mit der chinesischen Stadt Yiwu verbindet, traf Ende Oktober  nach 17 Tagen in Belgien ein.

Wachstumsbremse

Der belgische Kreditversicherer Credendo warnt aber zugleich vor einem stets langsameren Wirtschaftswachstum. Von über 10 % pro Jahr ist das Wachstum in diesem Jahr auf 6,2 % gesunken. Darüber hinaus hat China infolge des Handelsstreits mit den USA und den Unruhen in Hongkong mit einer steigenden Staatsschuld zu kämpfen,. 

Schieflage

Die Handelsbilanz zwischen Belgien und China befindet sich in einer Schieflage. 2018 führte Belgien Güter und Dienstleistungen im Wert von sieben Milliarden Euro aus. Gleichzeitig lag der Export nach Belgien bei 15,1 Milliarden Euro. Die Exportvolumen gehen an beiden Seiten zurück: Belgien hat im vergangenen Jahr 13,4 % weniger nach China ausgeführt, China 0,2 % weniger nach Belgien.

Zu den belgischen Exportgütern gehören insbesondere chemische Produkte (30,6 %), Maschinen und Ausrüstungen (14,7 %) sowie Metalle (10,8 %). Chinesische Exportgüter nach Belgien bestehen vor allem aus Maschinen und elektronische Anlagen (22,4 %) sowie Textilien (13,2 %) und Chemikalien (11,2 %).