Stets mehr Frauen und Jugendliche klopfen bei der Obdachlosenhilfe an

Die Zahl der obdachlosen Frauen in Flandern ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Das meldet die Sonntagszeitung De Zondag nach Berichten der zuständigen Centra Algemeen Welzijnswerk (CAW). Diese Zentren organisieren u. a. die Unterbringung von Obdachlosen in den Wintermonaten.

Über die genaue Anzahl Personen, die keine Wohnung haben, gibt es keine wissenschaftlich unterbauten Erhebungen. Nicht alle Obdachlosen nehmen die Hilfe der zuständigen Stellen in Anspruch. Die CAW haben in den letzten Jahren jedoch eine deutliche Zunahme von Frauen und Jugendlichen festgestellt.

„Früher betreuten unsere Zentren 80 Prozent Männer und 20 Prozent Frauen“, sagt Alain Slock vom CAW in der Provinz Ostflandern: „In den letzten Jahren liegt das Verhältnis bei 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen. Das heißt, dass heute doppelt so viele Frauen die Aufnahmemöglichkeiten in Anspruch nehmen.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig, aber einer der Hauptgründe ist der Wohnungsmarkt. „Die Mietpreise sind einfach zu hoch für Menschen mit einem niedrigen Einkommen“, sagt Slock: „Wenn Frauen nach einer Trennung wieder allein wohnen, ist eine Wohnungsmiete von ihrem zumeist geringeren Lohn kaum zu bestreiten.“

Belga

Jeder Fünfte, der die Obdachlosenhilfe anruft, ist jünger als 25

Als besorgniserregend bezeichnet Slock auch die zunehmende Anzahl junger Erwachsener ohne Dach über dem Kopf. „In unseren Aufnahmezentren ist jeder Fünfte jünger als 25 Jahre. Diese Entwicklung ist auf den größeren Individualismus in der Gesellschaft und wieder auf die hohen Mietpreise zurückzuführen. Wer ohne Hilfe von Familie oder Freunden auskommen muss, findet häufig keine bezahlbare Unterkunft. Ein Großteil des Einkommens würde für die Miete draufgehen. So kann man nicht sparen und ein Leben aufbauen.“