Zwei belgische IS-Frauen sind mit ihren sechs Kindern in der Türkei angekommen

Zwei belgische Frauen von in Syrien gefallenen IS-Kämpfern haben gemeinsam mit ihren insgesamt sechs Kindern die Grenze zwischen Syrien und der Türkei überquert. Bis vor Kurzem wurden sie im nordsyrischen Gefangenenlager Ain Issa festgehalten, wo sie bei einen türkischen Angriff entkommen konnten. Jetzt befinden sie sich in der Türkei in Gewahrsam, wie VRT NWS aus sicherer Quelle erfahren konnte. 

Tatiana Wielandt (27 - Foto links) und Bouchra Abouallal (26 - Foto rechts), beide aus Antwerpen, sind nach Angaben ihres Anwalts Walter Damen illegal und mit Hilfe von Schleppern über die syrisch-türkische Grenze gelangt. In den kommenden Tagen werden die beiden Frauen von den türkischen Behörden verhört.

Die Frage lautet jetzt, ob sie in der Türkei als Terroristinnen vor Gericht gestellt werden oder ob die Türkei die beiden Frauen nach Belgien abschiebt. Inzwischen wurden sowohl das belgische Außenamt, als auch die Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel offiziell von dem Vorgang unterrichtet.

Beide Frauen werden von der belgischen Justiz gesucht und es wurde ein internationaler Haftbefehl gegen sie ausgeschrieben. Ein Berufungsgericht Antwerpen hatte die zwei Witwen von IS-Kämpfern zu fünf Jahren Haft und zu einer Geldstrafe von 8.000 € verurteilt. Das ist die gleiche Strafe wie die, die das Strafgericht im März 2018 gegen die beiden Frauen ausgesprochen und im November 2018 bestätigt hatte.

Beide Frauen gaben vor Monaten in einem Gespräch mit dem VRT-Journalisten Rudy Vranckx zu verstehen, dass sie auf jeden Fall nach Belgien zurückkommen wollen, damit ihre Kinder in Sicherheit sein können. Sie würden hier auch jede Strafe akzeptieren. 

Was passiert jetzt?

Die belgische Justiz hatte die beiden Frauen in Abwesenheit wegen Beteiligung an terroristischen Aktivitäten und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor Gericht gestellt und verurteilt. Auch aus diesem Grunde ordnete das Berufungsgericht die sofortige Festnahme der beiden an, sobald sie in Belgien ankommen oder in einem Land, das mit Belgien ein Kooperationsabkommen in Sachen Justiz hat.

Inzwischen befinden sich neben Wieland und Abouallal noch fünf weitere Frauen und Männer sowie deren Kinder in Händen der türkischen Justiz, denen Verbindungen zur oder die Mitgliedschaft in islamistischen Terrorgruppen vorgeworfen werden. Zudem sollen zwei als gefährlich und radikal geltende IS-Frauen aus einem syrisch-kurdischen Lager in die Türkei entkommen sein. Wo diese sich befinden, ist den belgischen Behörden nicht bekannt.

Belgien und andere EU-Länder haben derzeit Probleme mit solchen Vorgängen. Überall wird darauf gedrängt, die Kinder von IS-Anhängern nach Belgien zu holen und international wird gefordert, dass die einzelnen Länder „ihre“ IS- oder zu anderen radikalislamischen Gruppen gehörenden Kämpfer selbst vor Gericht stellen sollen. Zudem drohte die Türkei erst kürzlich damit, solche Leute in ihre Heimatländer abschieben zu wollen.