Archivfoto Nicolas Maeterlinck

An diesem Sonntag in Brüssel: Demo gegen Gewalt an Frauen

An diesem Sonntagnachmittag um 14.00 Uhr wird am Zentralbahnhof in Brüssel eine Demonstration im Rahmen des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen starten. Der Tag wird auch „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ genannt und er wird eigentlich einen Tag später, jährlich am 25. November, abgehalten.

Die Demonstration wurde von der Mirabal-Plattform angeregt, die rund hundert Organisationen der Zivilgesellschaft zusammenbringt. Die Organisationen fordern einen effizienteren Kampf gegen alle Formen von Gewalt gegen Frauen. Eine ähnliche Demonstration im vergangenen Jahr zog 5.000 Teilnehmer an, und die Organisatoren hoffen in diesem Jahr auf mindestens ebenso viele Demonstranten.

In diesem Jahr zählte die Aktionsgruppe Stop Féminicide bereits 21 Frauen in Belgien, die aus dem einfachen Grund ermordet wurden, weil sie Frauen waren. Seit 2017 gab es 99 Frauenmorde. Es gibt jedoch keine offiziellen Zahlen und die Gesamtzahl könnte noch höher sein.

"Dies ist nur die extremste Form der Gewalt gegen Frauen in unserem Land, unter den vielen anderen Formen (physische, sexuelle, wirtschaftliche, psychologische, institutionelle, etc.)", heißt es bei Mirabal. "Mehr als ein Viertel der Frauen wird täglich von ihren (Ex-)Partnern terrorisiert, 98% sind Opfer von Aggressionen im öffentlichen Raum. Ganz zu schweigen von dem allgemeinen Sexismus, der die Rechte der Frauen untergräbt."

Der Plattform zufolge mangele es noch an einer politischen Debatte und einer kohärenten Strategie zur wirksamen Bekämpfung aller Formen von Gewalt gegen Frauen. Im Jahr 2016 ratifizierte Belgien das Istanbuler Übereinkommen, einen Text des Europarates. Die verschiedenen Regierungsebenen haben sich verpflichtet, koordinierte Maßnahmen zur Verhütung von Gewalt gegen Frauen, zum Schutz der Opfer und zur Verfolgung der Täter zu ergreifen. Drei Jahre später stellt die Zivilgesellschaft fest, dass der Vertrag kaum in die Praxis umgesetzt wird, heißt es dort. Es gibt keine echte Präventionspolitik, wenig oder gar keine Verbesserung der Sicherheit und Unterstützung der Opfer, und die Anerkennung von Gewalt durch die Institutionen ist willkürlich.