Ist die Bahn das Waisenkind Belgiens? Bahn-Chefin: "Die Regierung hat keinerlei Vision zu Verkehr und Bahn“

Sophie Dutordoir, CEO der belgischen Bahn NMBS, gibt in einem Interview in De Tijd eine Stellungnahme an die belgische Regierung ab. Die Regierung habe keine Vision über Verkehr und Schiene, keinen Investitionsplan und kein Geld. Es passiere nichts. Bei der NMBS arbeite man sich kaputt, aber das nutze nichts.

Dutordoir steht seit zweieinhalb Jahren an der Spitze der belgischen Bahn NMBS. In den kommenden Wochen wird sie ein neues Sozialabkommen mit den Gewerkschaften abschließen müssen. Das wird eine nicht gerade leichte Aufgabe sein, denn die Gewerkschaften haben bereits angekündigt, dass sie keinen Millimeter auf längere Arbeitszeiten umstellen wollen.

Administratives Chaos

In De Tijd betont Dutordoir, dass sie bestehende Festanstellungen oder erworbene Rechte nicht beeinträchtigen wolle. "Ich bitte nur um Offenheit für Reformen, um einfacher, moderner und flexibler arbeiten zu können.

Eines der größten Probleme besteht darin, dass alle unsere Vorschriften über Arbeits-, Lohn-, Beförderungs- oder Disziplinarstrafen immer noch auf dem Regime von 1926 beruhen.  Es gibt auch Hunderte von Prämien. Hier haben die Menschen Anspruch auf eine Prämie, wenn sie während der Arbeitszeit mit einem Firmenwagen von einem Ort zum anderen fahren. Ich will niemandem das Geld wegnehmen, aber Tatsache ist, dass Hunderte von Menschen einen ganzen Tag lang mit diesem Verwaltungsgeflecht arbeiten, anstatt sich auf unser Geschäft konzentrieren zu können. Doch es ist immer noch sehr schwierig, bei grundlegenden Fragen signifikante Fortschritte zu erzielen."

Seit 7 Jahren: Warten auf Managementvertrag

Im Interview kritisiert die Eisenbahnchefin auch die Regierung scharf. Seit 2012 wartet die NMBS auf eine neue Managementvereinbarung. "Wir arbeiten hier hart daran, kleine Schritte vorwärts zu machen. Es wird von mir jedoch erwartet, dass ich tiefgreifende Reformen in Richtung eines modernen Eisenbahnunternehmens durchführe. Es tut mir leid, aber in diesem Zusammenhang können NMBS und Infrabel nicht mehr tun, als am Rande zu arbeiten. Ich erwarte, dass die Regierung an der Eisenbahnmobilität arbeitet."

Dutordoir bedauert auch das Fehlen langfristiger Investitionspläne. "Jetzt haben wir Horizont 2020. Was bedeutet das? Wir haben das Geld, um mit der Arbeit an Bahnhöfen oder Gleisen zu beginnen oder Züge zu bestellen, aber wir haben keine Ahnung, ob wir nach drei Jahren noch das Geld haben, die Arbeiten abzuschließen.

"Ich habe alle Parteivorsitzenden vor den Wahlen kontaktiert. Zwei von ihnen empfingen mich. Zu Beginn der Regierungsbildung habe ich mich noch einmal an die Politik gewandt. Die ehemaligen Vor-Regierungsbildner besuchten den Energiesektor. Die NMBS wurde vergessen."

Das vollständige Interview mit Sophie Dutordoir in De Tijd finden Sie über diesen Link (auf Niederländisch).