BELGA

Massive Cyberangriffe auf Belgiens Chinamission

Die belgische Wirtschaftsmission, die diese Woche in China war, ist Opfer massiver Cyberangriffe geworden. Das sagt die Sicherheitsfirma Secutec.

Rund um das Hotel, in dem die Delegation wohnte, wurden Mobilfunkmasten aufgestellt, so dass der gesamte mobile Verkehr abgefangen werden konnte.

Secutec vermutet, dass die chinesische Staatssicherheit hinter den Angriffen steckt. Der Secutec-Chef, der in China mit dabei war, registrierte zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr als 130 Cyberangriffe pro Stunde. Andere Länder führten auch Cyberangriffe durch. Doch die Angriffe in China seien auffallend viele, so Geert Baudewijns von Secutec im VRT-Radio am Morgen. „Das sind automatische robotisierte Angriffe. Wir wussten, dass so etwas passieren würde. Die Frage war, ob das typische Angriffe sein würden. Wir hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass es so viele sein würden und schon gar nicht in den ersten Tagen.“

Weiter führte er aus, dass es die Hacker vor allem auf Passwörter abgesehen hätten, aber auch nach Informationen zu Politik und Produktinformationen von großen Organisationen suchten.

Die belgische Delegation war auf die Cyberangriffe vorbereitet. Die Teilnehmer erhielten Telefone, die nach der Mission weggeworfen wurden.

Der Vorteil, so sagte Baudewijns auch noch, sei gewesen, dass die belgische Delegation mit Prinzessin Astrid, verschiedenen Ministern und Dutzenden von Unternehmen nur für wenige Tage im Land blieben. Das bedeutete, dass die Hacker keine Zeit hatten, sich hinter komplizierten Konstruktionen zu verstecken und sofort loslegen mussten.

Baudewijns selbst benutzte das so genannte "Honeypot"-System, bei dem er eine Reihe von PCs nach China brachte - einige stark gesichert, andere nicht -, um zu sehen, was passieren würde. Er merkte sehr schnell, dass von mehreren Servern aus systematische Versuche unternommen wurden, in die PCs einzudringen, eine Art "Stresstest". Laut dem Cyberexperten sollen sogar bei ihm zwei Versuche unternommen worden sein, um eine Anwendung zu installieren, so dass er in Zukunft, wenn er wieder in Belgien sei, weiterhin beobachtet werden könne.

Der Experte befürchtet, dass einige teilnehmende Unternehmen die Gefahr unterschätzt hätten. "Ich kann nur jedem raten, alle Geräte zurückzusetzen und alle Passwörter zu ändern, wenn sie nach Hause kommen", heißt es. Mit dem, was er in China gesehen habe, werde Baudewijns nun auch eine Reihe von Empfehlungen für zukünftige Besuche in das Land formulieren.

Die belgische Staatssicherheit hatte bereits vor der Gefahr der Cyberspionage in China gewarnt. Den Teilnehmern der Mission wurde empfohlen, eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.