Mitglied rechtsextremer Gruppe zeigt Hitlergruß bei Besuch an Gedenkstätte Festung Breendonk.

Die in Flandern erst kürzlich gegründete rechtsextreme Gruppierung 'Right Wing Resistance', besuchte im August die Festung Breendonk in Flandern (Provinz Antwerpen). Eines der Mitglieder machte den Hitlergruß und ließ sich dabei fotografieren. Das geht aus einer Recherche der Zeitung De Morgen und unseres Senders VRT hervor. Das Gleichstellungszentrum Unia wird den Vorfall weiter untersuchen.

Die Fakten stammen aus August 2019. Der neu gegründete flämische Zweig der rechtsextremen 'Right Wing Resistance' (dt. 'Widerstand des rechten Flügels') besuchte mit einigen Mitgliedern und Sympathisanten das Fort Breendonk. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten die Nazis das Fort als Durchgangslager für Dissidenten, Widerstandskämpfer und Juden. Heute dient das Fort als Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs.

Bei demjenigen, der sich mit dem Hitlergruß fotografieren ließ, handelt es sich um den Sohn eines ehemaligen Parlamentsabgeordneten des rechtsextremen Vlaams Belang. Die VRT-Recherche zeigt, dass der junge Mann häufiger an Aktivitäten der rechtsradikalen Gruppierung ‘Voorpost‘ und der rechtsextremen Gruppe ‘Generation Identität‘ teilnimmt. Vor kurzem noch, nach dem Brand in Bilzen, veröffentlichte er eine Reaktion in den sozialen Medien, in der er sagte: "Es wäre besser gewesen, wenn sie gewartet hätten, bis sie drin sind".

'Right Wing Resistance'

‘Right Wing Resistance‘ ist eine rechtsextreme Gruppierung, die von Kyle Chapman, einem neuseeländischen weißen Nationalisten, gegründet wurde. Mittlerweile existiert die Gruppe in mehreren Ländern wie Australien, Schweden und Schottland. Und jetzt auch in Flandern: Der flämische Zweig von 'Right Wing Resistance' wurde kürzlich gegründet.  Der Besuch in Breendonk war eine ihrer ersten Aktivitäten.

Die Leitung der Festung Breendonk habe nichts von den Fakten mitbekommen, bedauere diese aber zutiefst, betonte Direktor Dimitri Roden. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Opfer und ihre Angehörigen. Die Hälfte der Deportierten hier hat den Krieg nicht überlebt."

Roden führte weiter aus, dass es sich um einen ganz besonderen Vorfall handele: "Wir haben 100.000 Besucher pro Jahr und wir hatten noch keine solchen Probleme. Im Gegenteil, die meisten Besucher sind sehr betroffen von dem, was hier passiert ist. Viele junge Menschen lernen, wozu Extremismus führen kann. Unsere Präsentation ist wissenschaftlich fundiert und objektiv."

Roden befürchtet, dass sich solche Vorfälle nicht vermeiden lassen: "Sollten wir so etwas sehen, würden wir natürlich eingreifen. Aber unsere Domäne ist 16 Hektar groß, wir können unmöglich überall Kameras haben."

Der Hiltergruß ist strafbar

"Das bewusste Zeigen eines Nazi-Grußes und das Posten dieses Grußes in den sozialen Medien ist eine Straftat", sagt Lode Nolf von Unia, dem Gleichstellungszentrum. "Wir werden das weiter untersuchen.“

"Ich bin zutiefst schockiert", sagt Henri Heimans, Sohn eines Ex-Breendonk-Häftlings. "Mein Vater wurde 1943 in der Festung Breendonk gefangen genommen. Er blieb dort sechs Monate und wurde dann nach Auschwitz gebracht. Es ist ein Ort, an dem viele Menschen getötet und gefoltert wurden. Einen Hitlergruß an einem solchen Ort zu machen, geht zu weit. Das sind Leute, die die Ideen der Nazi-Henker teilen."

Mitglieder von 'Right Wing Resistance' beim Besuch in Breendonk