Schlechte Arbeitsbedingungen auf Palmölplantagen im Kongo: Welche Rolle spielt der belgische Investor BIO?

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch  verurteilt die Arbeitsumstände der Arbeiter eines großen kongolesischen Palmölunternehmens. Die Mitarbeiter seien gesundheitlich gefährdet und unterbezahlt. Einer der Sponsoren des Unternehmens ist die belgische Investitionsgesellschaft für Entwicklungsländer (BIO). Die Regierungsbehörde nimmt die Vorwürfe ernst, sagt aber, dass in den letzten Jahren viel passiert sei.

Ein Arbeiter aus einer der drei riesigen Plantagen von Feronia/PHC im Norden des Kongo zeigt seine Hände (Foto oben). Sie haben Risse. "Ich pflücke seit zehn Jahren Palmnüsse ohne Handschuhe", sagt er zu Vertretern von Human Rights Watch.

Das Team, das mit Unkrautvernichter sprühen muss, ist in noch schlechterer Verfassung. Viele sagen, dass sie gesundheitliche Probleme hätten. Ihnen fehle es an Sicherheitsausrüstungen oder sie entspreche nicht dem Standard, schreibt Human Rights Watch in ihrem Bericht "A Dirty Investment".  Die meisten dieser Arbeiter gaben an, dass sie seit Beginn ihrer Tätigkeit impotent geworden seien. Einige litten unter Hautreizungen, Blasen, schmerzhaften Augen oder Kurzatmigkeit.

Die Menschenrechtsorganisation hat auch Zeugenaussagen über die Abführung von schmutzigen Abwässern in Flüsse, die das Trinkwasser der Familien in der Region verunreinigen, gesammelt. Hinzu kommen 100.000 weitere Menschen auf den Plantagen, die indirekt die Folgen tragen, sagt Human Rights Watch. Ein dritter Kritikpunkt sind die Löhne, die mit 1,9 Dollar pro Tag immer noch unter der extremen Armutsgrenze der Weltbank-Armutsgrenze liegen.

Die Kontrolle der kongolesischen Behörden sei unzureichend, da diese über nicht genug Personal und Mittel verfügten. Die europäischen Investoren müssten die Situation korrigieren, heißt es bei Human Rights Watch.

Investor BIO verteidigt sich

Die drei Plantagen befinden sich in einem riesigen Gebiet im Norden des Kongo. Dort arbeiten 50.000 Menschen, mit 100.000 Familienmitgliedern. Sie werden durch das abgeführte Abwasser krank. Das Unternehmen sei darüber informiert worden, doch man habe noch nichts unternommen, so ein Arbeiter vor Ort.

Human Rights Watch drängt deshalb die europäischen Geber vor Ort, einschließlich der belgischen Investitionsgesellschaft für die Entwicklungsländer, BIO, genauer hinzuschauen.

Die belgische öffentliche Investitionsgesellschaft für Entwicklungsländer, die von Human Rights Watch wegen ihrer Unterstützung von PHC/Feronia in der Demokratischen Republik Kongo kritisiert wird, verteidigte hingegen am Montag "die Fortschritte", die das Unternehmen in den letzten Jahren "in einem schwierigen und unvollkommenen Kontext" erzielt habe.

Man habe diese vernachlässigte Region wieder aufgebaut, heißt es bei  BIO, "und wir schicken regelmäßig Inspektoren". Doch eine zu strenge Sanktion gegen das Unternehmen würde die Situation für die Arbeitnehmer selbst nur noch verschlimmern.

Laut dem am Montag veröffentlichten Bericht von Human Rights Watch finanzieren vier europäische Entwicklungsbanken Feronia, das der Verletzung von Arbeitnehmerrechten und der Deponierung unbehandelter Abfälle in der Demokratischen Republik Kongo beschuldigt wird, wo es Palmöl für den Inlandsmarkt produziert.

Die belgische öffentliche Investitionsgesellschaft für Entwicklungsländer sagt, dass sie die Vorwürfe ernst nehme, aber dass in den letzten Jahren auch viel passiert sei. Luuk Zonneveld von BIO betont: Man wolle, dass sich die Situation verbessert. "Vergessen Sie nicht, dass wir einen langen Weg zurückgelegt haben.  Die Löhne haben sich verdreifacht.  Die Arbeiter tragen Schutzkleidung, und ein großes Renovierungsprojekt für Arbeiterwohnungen ist im Gange. 72 Brunnen wurden gegraben oder renoviert, um sauberes Trinkwasser zu gewährleisten. Jedes Jahr werden Tausende von Patienten in renovierten medizinischen Einrichtungen versorgt."