Telenet und Child Focus bieten Anwendung für sicheres Sexting an

Das flämische Telekommunikationsunternehmen Telenet hat in Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfs- und Suchwerk Child Focus eine Anwendung zum Schutz seiner Fotos vor unerwünschter Weitergabe an Dritte entwickelt. Dieses "digitale Kondom", wie Telenet es nennt, soll verhindern, dass bestimmte Fotos sexueller Natur ungewollt verschickt werden.

Eine Umfrage unter 2.000 Menschen hat ergeben, dass jeder dritte Belgier bereits Sexting betrieben hat, d.h. Nachrichten oder Fotos sexueller Natur versandt hat. Bei Teenagern ist diese Praxis noch beliebter, so Telenet. Das Unternehmen ist überzeugt, dass Sexting kein "Nischenphänomen" mehr ist.

Kein Drama an sich, denn es sei Teil des Sexuallebens junger Menschen, sagen Experten. Problematisch wird es jedoch, wenn der Empfänger eines "heißen" Fotos beginnt, das Bild ohne Aufforderung an Dritte weiterzuleiten.

Sexting birgt also gewisse Risiken, wie z.B. das Phänomen der "Sextortion" - ein Wort aus Sex und Erpressung. Damit ist die Erpressung von sexuellen oder finanziellen Gefälligkeiten über das Internet gemeint. Dies ist vor allem der Fall, wenn sich Ex-Freunde rächen wollen oder wenn junge Menschen unter Druck gesetzt werden, ein Nacktbild von sich zu teilen.

"Im Jahr 2018 haben wir nicht weniger als 114 Signalmeldungen bei Child Focus in Zusammenhang mit Sexting-Vorfällen eröffnet, die schief gelaufen sind, und das sind allein die Berichte, die bei uns eingingen. Das Phänomen betrifft auch immer jüngere Menschen: In den letzten Jahren betrafen die eingegangenen Beschwerden die Altersgruppe der 13-15-Jährigen, aber in jüngster Zeit kamen die eingegangenen Beschwerden von 11-15-Jährigen. Dies kann schwerwiegende Folgen für junge Menschen haben, wenn ihr Ruf durch eine Person geschädigt wird, von der sie glaubten, dass sie ihr vertrauen können", so Child Focus.

Aus diesem Grund hat Telenet die Anwendung ".condom" entwickelt, die eine digitale Alternative zum Offline-Kondom ist.

Die App funktioniert wie ein digitales Kondom. Mit der App kann man dem Foto ein Wasserzeichen hinzufügen, das den Namen und eventuell auch die Telefonnummer des Empfängers enthält. Fabienne Beckers, die die App mitentwickelt hat, erklärt: "Der Empfänger wird dann viel weniger geneigt sein, ein solches Foto zu teilen. Manchmal hört man, dass die ganze Schule voller Fotos von einem Schüler ist. Nun, das wird den Namen des Täters oder Anstifters ebenso beinhalten." Der Filter kann nicht gelöscht werden, ohne dass das Foto unkenntlich wird.

Child Focus weist noch darauf hin, dass die unerwünschte Weitergabe von Nacktfotos strafbar ist. Anfang 2016 wurde ein spezieller Artikel in das Strafgesetzbuch aufgenommen, der vorsieht, dass das Zeigen, Zugänglichmachen oder Verbreiten einer Foto- oder Videoaufzeichnung einer nackten Person oder einer Person, die eine explizite sexuelle Handlung begeht, ohne Einverständnis oder Zustimmung der betreffenden Person strafbar ist, auch wenn diese Person der Aufnahme zugestimmt hat.

"Jeder, der mit solchen Problemen konfrontiert ist, kann Child Focus kontaktieren, wenn er möchte, auch anonym", so das Kinderhilfswerk.

Werden die jungen Leute überhaupt Gebrauch vom Filter machen?

Das Wasserzeichen macht das Foto unschärfer. Die transparenten Buchstaben über dem Bild machen es schwierig, jedes Detail zu sehen. Werden junge Menschen geneigt sein, die App zu nutzen, wenn das Foto weniger attraktiv wird?

"Das geht noch“, sagt Fabienne Beckers. "Man kann immer noch sehr gut sehen, was man zeigen will. Man kann auch mit diesem Wasserzeichen herumspielen. Sie können es von den Stellen, die Sie zeigen möchten, wegziehen oder es eben gerade darauf legen. Wir haben die App zudem mit zahlreichen jungen Leuten getestet, und viele von ihnen sagten, dass sie sie unbedingt benutzen wollten."

Die .comdom-App ist im Apple Store und auf der Webseite www.comdom.be erhältlich. Google Play will die App nicht anbieten, weil es Sexting nicht fördern will.