Belgier zahlen die höchsten Gesundheitskosten in Europa

Durchschnittlich 1.100 Euro geben die Belgier pro Jahr und pro Haushalt an Gesundheitskosten aus, die nicht von einer Krankenkasse zurückgezahlt werden. Damit zahlen belgische Haushalte rund 500 Euro mehr als andere Europäer, die im Durchschnitt rund 600 Euro aus der eigenen Tasche zahlen. Belgien steht, im europäischen Vergleich, an erster Stelle der Gesundheitskosten, die zu Lasten des Patienten gehen. Die Warnung kommt von Netwerk tegen Armoede, eine flämische Initiative zur Armutsbekämpfung, und von der Hilfsorganisation Médecins du monde.

In ihrer Kampagne über soziale Ungerechtigkeit und den diskriminierenden Zugang zur Gesundheitssorge betonen die beiden Hilfsorganisationen, dass die unterschiedliche  Lebenserwartung zwischen einer wohlhabenden und einer bedürftigen Frau, beide in guter Gesundheit, bei circa 14 Jahre liegt.

Eine 25-Jährige mit einer guten Ausbildung lebt bis zum Alter von 74 Jahren in guter Gesundheit. Während eine gleichaltrige Frau aus benachteiligten Verhältnissen bereits mit 60 Jahren Gesundheitsprobleme bekommt.

Die Anzahl der Belgier, die einen Arztbesuch aufgrund der Kosten verschieben müssen, steigt. Wogegen in anderen europäischen Ländern genau die entgegengesetzte Entwicklung eingesetzt hat. 

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Mehr für die geistige Gesundheit tun

Beide Hilfsorganisationen schätzen die Zahl der Belgier, die in Armut leben, gegenwärtig auf 600.000 Menschen. Insbesondere die Kinder sind in der Armut gefährdet. 44 % der belgischen Haushalte, die an der Armutsgrenze leben und Kinder unter 16 Jahre haben, verschieben bestimmte Behandlungen,  klagt das Netwerk tegen Armoede. Die Arzneimittelpreise sind eine weitere Hürde für diese Bevölkerungsschicht.

Jede vierte belgische Familie gibt auch zu, dass die Gesundheitsausgaben kaum bis überhaupt nicht vom Haushaltsbudget gedeckt werden können. Ganz zu schweigen von anderen Gesundheitsausgaben, wie beispielsweise der Besuch eines Zahnarztes oder Psychologen.

Zusammen fordern die beiden Hilfsorganisationen die künftige Bundesregierung auf, auch die geistige Gesundheitssorge in ihre Politik zu integrieren und sozialschwachen Bürgern den Zugang zu psychologischer Betreuung zu ermöglichen.

Sie empfehlen den zuständigen Stellen darüber hinaus, dafür zu sorgen, dass Patienten beim Arztbesuch nur den Selbstkostenbeitrag zahlen, dass Facharzthonorare begrenzt werden und der Selbstkostenbeitrag beim Zahnarzt sinkt.