Jedes Jahr 30 Milliarden Euro Umsatz in Europa mit Drogen: Diese Rolle spielt Belgien

Europol und die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) schreiben in ihrem neuen Bericht, dass in Europa jährlich für 30 Milliarden Euro Drogen gekauft und verkauft werden. Im Drogenhandel spielt Belgien eine wichtige Rolle als Eingangstor für Kokain. Zusammen mit den Niederlanden mischt Belgien auch bei der Produktion von MDMA, Amphetaminen und Cannabis mit.

Die organisierte Kriminalität besteht gegenwärtig aus 5.000 Gruppen, die wir erfasst haben, sagte Catherine De Bolle, die belgische Leiterin von Europol. Ein Drittel dieser Gruppen befasst sich mit dem Drogenhandel, in dem stets häufiger die brutalen Methoden eingesetzt werden, die auf Kontinenten wie Südamerika Gang und Gäbe sind.

De Bolle plädiert dafür, dass die Sicherheitskräfte sich künftig wieder vermehrt auf die Drogenkriminalität fokussieren: „In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt insbesondere bei Terrorismus und  Migration.“

Bei der Vorstellung der Untersuchung warnte Europol auch davor, dass kriminelle Organisationen die Verwaltung untergraben und Politiker zu beeinflussen versuchen.

In seinem Bericht erklärt Europol mit Zahlen und Grafiken, wie die Drogenproduktion über die verschiedenen Länder verteilt ist. Und kommt dabei zu der Feststellung, dass das Angebot größer, digitaler, internationaler und reiner (höhere Wirkung) wird, ohne dass die Preise für Drogen dadurch steigen.

Belgien unter den ersten Sechs im Cannabisanbau

Cannabis (39 % des Umsatzes mit 11,6 Milliarden Euro im Jahr 2017) bleibt eines der meist konsumierten Rauschmittel in der EU. Jeder siebte junge Erwachsene gab an, 2018 Haschisch oder Marihuana konsumiert zu haben.

Marihuana oder Gras wird meistens in Europa selbst produziert und insbesondere in den Niederlanden oder in den westlichen Balkanländern und in Albanien eingekauft. Belgien nimmt dennoch den fünften bisweilen sechsten Platz in der Produktionsskala ein, oft in Zusammenarbeit mit de, Niederlanden.

Marokko wiederum ist ein wichtiger Produzent von Cannabisharz oder Haschisch.

Kokain kommt über Antwerpen und Spanien

Auf dem zweiten Platz steht Kokain (31 % oder 9,12 Milliarden Euro Umsatz in 2017). 60 % des kolumbischen Anbaus wird nach Europa verschifft, wobei Antwerpen eines der wichtigsten Eingangstore für Kokain in Europa ist. 2017 wurden im Scheldehafen 45 Tonnen Kokain gefunden. 2018 konnten 50 Tonnen sichergestellt werden oder ein Drittel des in der EU insgesamt beschlagnahmten Kokains.

Um diesen Handel zu organisieren, versuchen Schmugglerbanden Hafenarbeiter zu bestechen. Nur für ein Gespräch werden die Hafenarbeiter mit bis zu 5.000 Euro „entlohnt“. Begleiten Sie eine Kokainladung kann eine Vergütung von 75.000 bis 125.000 Euro für einen Arbeiter dabei herausspringen.

Fernando Trabanco Fotografía

Heroin weniger beliebt, dafür verheerend

2017 lag der Heroinumsatz bei 7,4 Milliarden Euro in Europa. Die häufig aus Afghanistan stammende Droge ist weniger beliebt, dafür sind die Folgen des Heroinkonsums umso verheerender. Das Heroin wird meist über die Türkei und die Balkanroute geschmuggelt.

Amphetamine und MDMA aus Belgien und den Niederlanden

Der Umsatz dieser synthetischen Rauschmittel lag 2017 bei 1,5 Milliarden Euro. Der Hauptanteil der Produktion erfolgt in Europa selbst und Belgien spielt dabei eine Hauptrolle, schlussfolgert Europol in seinem Bericht.

2019 wurden bereits drei große Drogenlabore für Methamphetamine entdeckt: zwei in den Niederlanden und eins in Belgien.