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Tarifverhandlungen bei Proximus gescheitert, Vorstandsvorsitzender Stefaan De Clerck ausgebuht

Monatelang hatte der belgische Telekomanbieter Proximus mit den Gewerkschaften über einen Sozialplan für jene Mitarbeiter verhandelt, die im Zuge des umfassenden Transformationsplans ihren Job verlieren. Letztendlich sind die Tarif- und Schlichtungsverhandlungen gescheitert und Proximus entscheidet über die weitere Vorgehensweise selbst. Am Mittwoch blockierten Gewerkschaftler das Proximus-Hauptgebäude in Brüssel und buhten Stefaan De Clerck, den aktuellen Vorstandsvorsitzenden aus, bzw. versuchten ihn daran zu hindern, ins Gebäude zu gelangen, wie unser Video zeigt. 

Am Mittwochmorgen kam bei Proximus die paritätische Kommission zusammen, die über den Transforamtionsplan bei Proximus zu befinden hatte. Dabei kam keine Zweidrittel-Mehrheit für einen Sozialplan zusammen, was im Allgemeinen im Vorfeld erwartet wurde. Die christliche und die sozialistische Gewerkschaft lehnten jegliches Vorhaben der Proximus-Chefetage ab und nur die liberalen Arbeitnehmervertreter stimmten den Plänen zu.  Die daraufhin angesetzte Verwaltungsratssitzung konnte danach nur unter einigen Problemen beginnen (siehe oben) , denn die beiden ablehnenden Gewerkschaften bezogen Posten vor dem Proximus-Hauptsitz. 

Anfang November wurde deutlich, dass Proximus 250 Angestellte entlässt und dass mehrere Filialen geschlossen werden. Hinzu kommen noch weitere rund 300 Stellen, die ebenfalls abgebaut werden. Die Direktion bei Proximus stellte im Rahmen ihres Transformationsplans fest, dass das Unternehmen auf rund 550 Mitarbeiter verzichten kann. Für rund 300 der Betroffenen wurde ein Abfindungsplan ausgearbeitet, der darauf abzielt, dass die Mitarbeiter selbst das Unternehmen verlassen. Für 250 weitere Mitarbeiter kommt wohl möglicherweise das Aus, denn sie werden schlicht und einfach entlassen.

Proximus stellte fest, dass rund 550 Mitarbeiter bis zum Jahr 2020 ein Alter von 58 Jahren und mehr erreicht haben. Diese können bald zu Hause bleiben und behalten dabei zwischen 70 und 75 % ihres Gehalts. Es besteht aber auch die Möglichkeit, selbst zu gehen. In einer entsprechenden Abfindung würden auch 1.500 € für jedes Jahr eingerechnet, in dem der jeweilige Betroffene für Proximus gearbeitet hat. Von dieser Betriebszugehörigkeit hängt wohl die Motivation ab, Proximus auf eigenen Wunsch zu verlassen.

Schon zum Jahresanfang 2019 kündigte Proximus seine breitgefächerten Zukunftspläne an, nach denen 1.900 Mitarbeiter mittelfristig das Unternehmen verlassen müssen, weil deren Profil den heutigen Ansprüchen nicht mehr entspricht und weil nach Ansicht der Verantwortlichen hier auch eine Umschulung nicht viel bringen würde. Andere Beschäftigte entsprechen den Anforderungen offenbar nur bedingt und werden sehr wohl umgeschult. Proximus will aber auch rund 1.250 neue Mitarbeiter anwerben, die nötige Kompetenzen mitbringen. Der Transformationsplan von Proximus sieht aber auch eine weitgehende Reform der Unternehmensstruktur vor. Das bedeutet, dass mehrere Shops und Geschäftsstellen geschlossen werden. 

Noch am Vormittag deuteten einige erboste Gewerkschaftsführer allerdings an, dass es schon am Donnerstag zu neuen Gesprächen kommen wird.