Stühlerücken bei der MR: Bouchez wird Parteichef, Goffin übernimmt Außen- und Verteidigungspolitik

Weil Belgiens Ex-Premierminister Charles Michel sein neues Amt als EU-Ratspräsident antritt und Ex-Bundesaußenminister Didier Reynders als neuer EU-Kommissar für Justiz beginnt, haben die französischsprachigen Liberalen eine Reihe von Personalentscheidungen treffen müssen. Darüber hinaus stand die Wahl eines neuen Parteivorsitzenden an.

Für die Nachfolge von Charles Michel an der Spitze der belgischen Regierung war bereits vor einigen Wochen eine Entscheidung zugunsten von Sophie Wilmès gefallen. Erstmals in der Geschichte hat Belgien eine Regierungschefin.

Mit dem Wechsel von Charles Michel nach Europa musste auch ein neuer Parteichef für die MR gefunden werden. Nach einem zweimonatigen Duell zwischen Denis Ducarme, aktuell Bundeslandwirtschaftsminister, und Georges-Louis Bouchez, Senator aus Mons, erhielt der 33-jährige Bouchez (Foto oben) bei der Stichwahl 62 Prozent der Stimmen. 

Flamboyant

Georges-Louis Bouchez, für Insider auch "GLB", hat mütterlicherseits italienische Wurzeln und versprüht südländischen Charme. Der Formel-1-Fan pflegte eine längere Beziehung zu einer der Ehrendamen von Miss Belgien und zeigt, wenn er seine Ärmel hochkrempelt, gerne seinen tätowierten Arm.  

Werbewirksam war auch sein Versuch, den lang gedienten sozialistischen Bürgermeister von Mons und Parteichef der PS, Elio di Rupo,  vom Thron zu stoßen. Bouchez hatte zu diesem Zweck das parteilose Bündnis "Mons en mieux" gegründet.

Seine politische Karriere begann 2009 als Kabinettsmitarbeiter des damaligen Finanzministers Didier Reynders. Heute verhandelt Bouchez mit über die Bildung einer neuen belgischen Regierung. Sein Vorzug gilt den flämischen Nationalisten der N-VA. Mit dessen ehemaligem Staatssekretär für Migration und Asyl, Theo Francken, liegt er auf derselben Wellenlänge in sozialen und wirtschaftlichen Fragen.

Als erste Aufgabe musste der neue Parteichef einen Nachfolger für den scheidenden Bundesaußen- und Verteidigungsminister Didier Reynders bestimmen, der die EU-Kommission von Ursula von der Leyen verstärkt. Außenpolitik und Verteidigung werden in Belgien in Zukunft von Philippe Goffin wahrgenommen.

Goffin ist seit 2001 Bürgermeister von Crisnée bei Lüttich. 2010 wurde er ins Parlament gewählt, wo er u. a. den Justizausschuss in den letzten fünf Jahren leitete. Seine Sprachkenntnisse und sein diplomatisches Geschick würden den 52-Jährigen für diesen Posten geeignet machen, heißt es bei den Liberalen der MR.

Belgien neuer Außen- und Verteidigungsminister