Das Rathaus von Brügge (unverkäuflich) Andreas Kockartz/VRT

Brügge verkauft historische Gebäude um Kosten zu sparen

Die Stadt Brügge plant den Verkauf von historischen Gebäuden. Dabei handelt es sich allerdings um eher weniger bedeutende und selten genutzte Immobilien, die aber für hohe Unterhaltskosten sorgen. Insgesamt besitzt Brügge rund 520 Gebäude, von denen auch nicht alle zum historischen Kulturerbe gehören. Doch auch denkmalgeschützte Bauwerke könnten in Zukunft veräußert werden. 

Mitte November wurde bekannt, dass die Stadt Brügge einige historische Gebäude veräußern will. Insgesamt besitzt die Stadt rund 550 Immobilien, von denen bei weitem nicht alle historische Bedeutung haben. Einige Gebäude beherbergen z.B. diverse Vereinigungen und wieder andere sind zwar teilweise mehrere Jahrhunderte alt, werden aber kaum bis gar nicht genutzt.

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Im Herzen von Brügge Andreas Kockartz/VRT

Jetzt wurde das Amt für das Kulturerbe von Brügge damit beauftragt, eine aktuelle Bestandsaufnahme anzufertigen, damit sich der Stadtrat bzw. die Stadtverwaltung ein genaueres Bild davon machen kann, was auf dem Immobilienmarkt angeboten werden kann und was nicht, bzw. was einer anderen Bestimmung zugeführt werden könnte.

Sicher ist aber auch, dass zu den zu verkaufenden Gebäuden auch solche gehören werden, die durchaus historische Bedeutung haben und die sogar unter Denkmalschutz gestellt wurden. Dazu sagte Brügges Stadtverordnete für das Kulturerbe, Minou Esquenet (CD&V): „Der Hof Sebrechts in der Beenhouwerstraat ist ein bekanntes Gebäude, das zum Gesicht der Stadt gehört. Doch darin passiert nichts mehr. Der Hof steht schon eine Zeit lang zum Verkauf. Ikonische Gebäude aber, wie z.B. der Belfried oder der Beginenhof, werden wir aber natürlich nicht verkaufen.“

Steigende Kosten, sinkende Zuschüsse

Der Haushalt der Stadt muss den Unterhalt der vielen historischen und denkmalgeschützten Gebäude finanzieren und diese Kosten wiegen schwer. Von den 520 städtischen Gebäuden und Immobilien stehen 162 unter Denkmalschutz. 

Darunter sind auch drei ikonische Gebäude und Viertel, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören: Belfried, Beginenhof und der historische Stadtkern. Doch die Zuschüsse und Prämien, die eine Stadt wie Brügge von der flämischen Landesregierung erhalten, um dieses Kulturerbe zu erhalten, sinken seit einigen Jahren, genauer seit 5 Jahren.

Rund 2,7 Mio. € kostet jährlich alleine der Unterhalt der 162 denkmalgeschützten Gebäude und diese Summe wird auf Dauer steigen - nicht zuletzt auch durch die steigenden Energiekosten auch im Zuge der Frage des Klimaschutzes. Nicht zu vergessen ist dabei auch die Tatsache, dass das eine oder andere Gebäude auch mal eine Renovierung oder eine Restaurierung braucht, was meist ein seht kostenintensives Unterfangen darstellt. Die Restaurierung des Gruuthusemuseums dauerte 5 Jahre und schlug mit fast 9 Mio. € zu Buche (siehe nebenstehenden Beitrag). 

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Im neurenovierten Gruuthusemuseum Andreas Kockartz/VRT

Brügge stößt an seine Grenzen

Doch selbst der Verkauf von historischen Gebäuden ist nicht so einfach zu bewerkstelligen, wie man glauben mag. Ist ein solches oftmals jahrhundertealtes Bauwerk einmal unter Denkmalschutz gestellt, ist der Umgang damit nicht ganz leicht. Vieles muss beachtet werden oder darf nicht grundlegend verändert werden. Und wer übernimmt eine solche Immobilie zu welchem Zweck?

Interessenten wollen vielleicht Hotels daraus machen, doch in Brügge gilt seit einigen Jahren ein „Hotel-Stopp“. Zu viele Hotels ziehen zu viele Gäste in das flämische „Venedig des Nordens“ (was auch für die Touristenshops und Souvenirgeschäfte gilt). Die weltweit bekannte und beliebte Mittelalterstadt Brügge stößt hier an ihre Grenzen und noch mehr Hotels würden den Markt mit Sicherheit negativ beeinflussen. 

Weltkulturerbe Beginenhof Brügge (unverkäuflich) Andreas Kockartz/VRT