Flandern beim neuen Pisa-Test: In allen untersuchten Bereichen haben Fähigkeiten abgenommen

Flämische Schüler schneiden erneut schlechter in Mathe, Lesen und Naturwissenschaften ab. So fällt das Urteil über die Ergebnisse der flämischen Schülerinnen und Schüler bei den neuen Pisa-Tests aus. Allerdings sind die 15-Jährigen in diesen Bereichen immer noch besser als ihre deutsch- oder französischsprachigen Altersgenossen. Das zeigt die dreijährige PISA-Studie, die an diesem Dienstag vorgestellt wird. Der Rückgang ist in allen Formen der Bildung sichtbar.

In allen untersuchten Bereichen (Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften) haben die Fähigkeiten der flämischen Schüler abgenommen.  Am auffälligsten sind die sinkenden Lesekompetenzen: Noch nie zuvor haben die 15-Jährigen in Flandern schlechter abgeschnitten, und sie sind sogar noch stärker gesunken als in den letzten Jahren.

Flandern befindet sich also in Bezug auf die drei Kompetenzen im Niedergang. So sank beispielsweise der Durchschnittswert für das Lesen von 511 auf 502 Punkte, der für Mathematik von 521 auf 518 und der für Naturwissenschaften von 515 auf 510.

Auf der französischsprachigen Seite verbesserten sich die Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Naturwissenschaften und Mathematik hingegen. In der Mathematik liegen die französischsprachigen Länder mit 495 Punkten erstmals sogar über dem OECD-Durchschnitt (489).

Die Unterschiede in den Leistungen zwischen den schwächsten und den stärksten Schülern sind in Flandern größer als der Durchschnitt in den OECD-Ländern. Bei der Lesekompetenz gibt es beispielsweise einen Unterschied von 275 Punkten zwischen den besten 10 Prozent (633 Punkte) und den schlechtesten 10 Prozent (359 Punkte), verglichen mit einem Unterschied von 260 Punkten in der OECD.

Die Studie zeigt unter anderem, dass der Schulerfolg stärker von der sozialen Herkunft und dem soziokulturelle Status eines Schülers abhängt als im OECD-Schnitt. In Flandern beispielsweise wird die Varianz der Leseleistung zu 17,3 Prozent durch den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Status (ESCS-Index) des Schülers bestimmt. Das ist mehr als der Durchschnitt in den OECD-Ländern von 11,9 Prozent. Der Index wird unter anderem durch den Beruf und das Bildungsniveau der Eltern und die Menge der "Bildungsressourcen", die eine Familie besitzt, wie z.B. Bücher, bestimmt.

Alle drei Jahre werden bei der internationalen Studie Pisa (Programme for International Student Assessment) die Leistungen der Jugendlichen erfasst. Sie testet seit 2000 im Auftrag der OECD die mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenz sowie die Lesefähigkeit von 15-Jährigen in 79 Ländern. Für PISA 2018 wurden 4.882 Schüler von 172 Schulen in Flandern getestet. In der aktuellen Studie ging es zum dritten Mal schwerpunktmäßig um die Lesekompetenz.

Bei der Studie wurde den Studierenden eine Reihe von Fragen gestellt.  Daraus ergibt sich ein PISA-Score, der in der folgenden Grafik dargestellt ist.  Um die Lesefähigkeiten der Schüler zu testen, wurde untersucht, wie gut sie einen Text verstehen, ob sie darüber nachdenken können und ob sie Informationen aus dem Text nutzen können. 

Damit gehört Flandern erstmals nicht mehr zu den zehn besten OECD-Ländern, die am Test teilgenommen haben. Innerhalb der Europäischen Union muss Flandern Estland, Finnland, Irland und Polen vorbei lassen.

Belgisches Ergebnis

Bei der Lesefähigkeit erzielten die Jugendlichen in Belgien 493 Punkte - und kommen damit im OECD-Länder Ranking nur auf Platz 17 von 37 (Deutschland liegt auf Platz 15). Bei der Mathematik schafften die Jugendlichen in Belgien 508 Punkte und liegen damit auf Platz 10, das heißt sie befinden sich noch unter den Top-10 (Deutschland liegt hier nur auf Platz 15). In Naturwissenschaften erzielten sie 499 Punkte und sind damit nur auf Platz 15 (Deutschland auf Platz 11).

Jetzt eingreifen"

Der flämische Bildungsminister Ben Weyts nimmt die Ergebnisse ernst. "Zuerst müssen wir uns auf das Niederländische konzentrieren, denn Sprache ist der Schlüssel zu allem anderen Wissen", sagte er. "Zweitens müssen wir die Messlatte höher legen, mit besseren Lernergebnissen, die sich auf Niederländisch und Mathematik konzentrieren. Drittens muss unsere Bildung ein Spiegelbild sein, mit den gleichen Tests in ganz Flandern, die messen, ob es uns gelingt, Lernergebnisse zu erzielen."

Der Minister wird auch den Bildungsexperten Dirk Van Damme bitten, eine internationale Forschungsgruppe einzurichten. Diese Gruppe soll bis zum Herbst nächsten Jahres konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Politik unterbreiten. Allerdings wird es "mindestens 10 Jahre dauern ", bis die Auswirkungen sichtbar sein werden, gibt Weyts zu.