Brüsseler Regierung will, dass alle Einwohner der Hauptstadt bis zu ihrem 18. Lebensjahr dreisprachig sind

Die Brüsseler Regierung will, dass jeder Einwohner der Hauptstadt im Alter von achtzehn Jahren mindestens dreisprachig - Französisch, Niederländisch und Englisch - ist. Dieses Ziel steht ganz oben auf der Tagesordnung eines Orientierungsvermerks, der an diesem Montag von dem für die Förderung der Mehrsprachigkeit zuständigen Minister Sven Gatz (Open VLD) im Brüsseler Parlament vorgestellt wird.

Die Region Brüssel-Hauptstadt hat 1,2 Millionen Einwohner, 180 Nationalitäten und zählt mehr als 100 verschiedene Sprachen, die in dieser Stadt gesprochen werden. Das macht Brüssel nach Dubai zur kosmopolitischsten Region der Welt. Laut Sven Gatz habe die Brüsseler Regierung die Mehrsprachigkeit zu einer Priorität erklärt, damit diese kosmopolitische Metropole besser funktionieren kann, um den sozialen Zusammenhalt unter ihren Bewohnern zu fördern und sie besser auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren.

Nach Ansicht des Ministers unterstütze eine Mehrheit der Brüsseler Bürger die eine oder andere Form der Mehrsprachigkeit und sei überzeugt, dass Sprachkenntnisse für die Arbeitsplatzfindung unerlässlich seien. Siebzig Prozent der Brüsseler glaubt auch, dass die Mehrsprachigkeit ein wesentlicher Bestandteil der Brüsseler Identität ist. Laut dem jüngsten Sprachbarometer, das 2018 in Brüssel durchgeführt wurde, befürwortet 90% der Brüsseler Bürger eine zweisprachige Grundschulbildung.

Darüber hinaus zeigen die Daten des Arbeitsamtes, dass die Mehrsprachigkeit ein Sprungbrett für die Beschäftigung ist. Etwa 53% der offenen Stellen in Brüssel erfordern explizit Kenntnisse von zwei oder drei Sprachen; 80% davon erfordern Kenntnisse von Französisch und Niederländisch und 40% Englischkenntnisse. Nur 2% der Arbeitssuchenden in der Hauptstadt sind dreisprachig, französisch, englisch und niederländisch.

Der Minister will zunächst bestehende Initiativen und Projekte in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft im Hinblick auf die Mehrsprachigkeit erfassen lassen, um einen Überblick über die bereits bestehenden Initiativen zu erhalten. Ziel ist es, sich dann einen Überblick über die Projekte und Initiativen zu verschaffen, die zu einer erfolgreichen Mehrsprachigkeitspolitik führen können.

Seiner Meinung nach gibt es bereits viele Initiativen und Kooperationen innerhalb der Lehrerschaft zum Thema Mehrsprachigkeit. Um einen klaren Ansatz zu entwickeln, wird ein "Rat für Mehrsprachigkeit" eingerichtet. Dieser soll Wissenschaftler, Experten, aber auch Schulen und andere Partner zusammenbringen.

Besondere Aufmerksamkeit wird auch den Muttersprachen gewidmet, die von Kindern zu Hause gesprochen werden. Eine gute Kenntnis dieser Muttersprachen sei nach Ansicht des Ministers der Schlüssel zum Erlernen anderer Sprachen.

Minister Gatz kündigte an, dass die Bemühungen um eine zweisprachige Lehrerausbildung fortgesetzt würden und dass der Austausch zwischen französischsprachigen und niederländischsprachigen Lehrern weiterhin angeregt werde. Ferner möchte die Brüsseler Regierung ihr Berufsbildungsangebot für Arbeitssuchende durch die Einrichtung einer "Sprachenstelle“ weiterentwickeln und stärken. Und der Minister möchte  gemeinsam mit der Europäischen Kommission, dem Europarat und dem Brüsseler Parlament einen Tag der Mehrsprachigkeit organisieren, der sich auf den Brüsseler Kontext konzentriert.

Niederländisch- und Französischkenntnisse müssen Priorität haben“

Englischkenntnisse unter den Brüsseler Jugendlichen wären sehr gut, aber Kenntnisse in Niederländisch und Französisch sollten Priorität haben, sagt der flämische Minister von Brüssel Benjamin Dalle (CD&V) in einer Reaktion auf die Orientierungsnotiz des Brüsseler Ministers für Mehrsprachigkeit Sven Gatz. "Das Wichtigste zuerst, Sven Gatz' Dreisprachigkeit wäre schön. Aber beginnen wir mit einer ausgezeichneten Zweisprachigkeit Niederländisch-Französisch, zum Beispiel durch den Austausch von Sprachlehrern", schreibt Dalle auf Twitter.

Im VRT-Radio am Morgen fügte er hinzu, dass Studien zeigten, dass nur 7,8 Prozent der französischsprachigen Schüler in Brüssel im Alter von 18 Jahren Niederländisch sprächen. "Das sollte 100 Prozent sein."

Deshalb will Dalle den Aktionen Vorrang geben, bei denen die Bewohner von Brüssel Niederländisch und Französisch lernten. Dies kann beispielsweise durch den Austausch von Sprachlehrern geschehen, der auch im flämischen Koalitionsvertrag festgelegt ist. "Lasst uns daran arbeiten, anstatt einen Rat für Mehrsprachigkeit einzurichten.“ Laut Gatz sollte daraus ein Aktionsplan erstellt werden, um die Brüsseler Jugendlichen dreisprachig zu machen.

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