Briefträger mit 91 km/h geblitzt: Richter liest auch der Post die Leviten

Am 28. Juni dieses Jahres wurde in Roosdaal in der Provinz Flämisch-Brabant ein Briefträger geblitzt, der mit seinem Postauto in einer Tempo-50-Zone mit 91 km/h unterwegs war. Im Gerichtsverfahren gegen den Raser im Justizgebäude von Halle las der zuständige Polizeirichter aber auch dessen Arbeitgeber, die belgische Post - Bpost - die Leviten…

Der Richter verurteilte den rasenden Postboten zu einer Geldstrafe von 800 € und einem Fahrverbot von 30 Tagen, die er aber an Wochenenden oder an Feiertagen abbauen darf, damit er seinen Job nicht verliert. Doch der Polizeirichter von Halle warf dem Briefträger auch vor, er habe ein Tempo in einem Wohngebiet an den Tag gelegt, das „tödlich“ gewesen sei.

Der Vorfall fand zudem am ersten Tag der Schulferien statt und auf einer Straße, auf der schon der Radweg als „Todesstreifen“ bekannt ist. Der Anwalt des Angeklagten gab zu verstehen, dass sein Mandant unter enormem Zeitdruck gestanden habe und deshalb so schnell gefahren sei.

Das ist eine perverse Geschäftsführung bei der Post. Sie führt dazu, dass die Leute mit einem Todestempo herumfahren und die entstehenden Kosten werden dann bezahlt. Wird die Post das auch dann tun, wenn das einmal schiefgeht?“

Der Polizeirichter von Halle

Daraufhin wies der Polizeirichter auch dessen Arbeitgeber Bpost zurecht: „Ein Arbeitgeber, der größtenteils seine Bußgelder mit Steuergeldern begleicht. Das ist eine perverse Geschäftsführung bei der Post. Sie führt dazu, dass die Leute mit einem Todestempo herumfahren und die entstehenden Kosten werden dann bezahlt. Wird die Post das auch dann tun, wenn das einmal schiefgeht?“ 

Wir zahlen die Strafzettel unserer Mitarbeiter nicht. Wir müssen alle das Gesetz einhalten."

Post-Sprecherin Barbara Van Speybroeck

Barbara Van Speybroeck, die Sprecherin von Bpost, entgegnete dazu: „Wir zahlen die Strafzettel unserer Mitarbeiter nicht. Wir müssen alle das Gesetz einhalten. Wir sind allerdings zivilrechtlich ansprechbar. Das bedeutet, dass wenn ein Mitarbeiter aus dem einen oder anderen Grund sein Bußgeld nicht begleicht oder nicht auffindbar ist, weil er vielleicht das Land verlassen hat, wird diese Strafe zahlen müssen.“

Die Post-Sprecherin legte auch Wert auf die Feststellung, dass es keine Entschuldigung dafür gebe, gegen das Gesetz zu verstoßen „und wir verlangen das auch von niemandem. Wenn jemand also aus irgend einem Grund ein Bußgeld entrichten muss, zahlt er es aus eigener Tasche.“ Van Speybroeck sagte daneben auch, dass nur einer der Mitarbeiter der Post so weit gegangen sei und der müsse jetzt eben dafür geradestehen.