In Flandern trifft der Brexit vor allem Antwerpen

Wenn das Vereinigte Königreich im nächsten Jahr aus der Europäischen Union ausscheidet, dürfte dieser Schock besonders in Antwerpen spürbar sein. Das geht aus einer Studie der KU Löwen hervor.

Ein harter Brexit würde den Verlust von 7.900 Arbeitsplätzen in der Provinz Antwerpen zur Folge haben. Mit anderen Worten, der Schock ist doppelt so stark wie die Schließung von Opel Antwerpen im Jahr 2010, als 3.800 Arbeitsplätze verloren gingen, schreibt De Tijd. Ein sanfter Brexit entspricht einem halben "Opel Antwerpen": 1.942 Arbeitsplätze.

Das geht aus einer Studie hervor, die von der KU Löwen-Professorin Hylke Vandenbussche im Auftrag der flämischen Regierung durchgeführt wurde. Zuvor war schon bekannt geworden, dass ein harter Brexit Belgien 42.000 Arbeitsplätze kosten könne, insbesondere in der Lebensmittel- und Textilindustrie.

Jetzt wurde auch die Aufschlüsselung nach Provinzen vorgenommen. In absoluten Zahlen wird der Schlag in Antwerpen am härtesten sein und relativ gesehen wird er am härtesten in Westflandern ausfallen. Dort würde ein harter Brexit 1,3% der Arbeitsplätze kosten.

Noch lokalisierter betrachtet ist der größte Schock auf dem Arbeitsmarkt in der Stadt Antwerpen, Gent und auf der Achse Brügge-Kortrijk zu erwarten.

Am Donnerstag holte der britische Premierminister Boris Johnson einen überwältigenden Wahlsieg. Damit wird ein harter Brexit unwahrscheinlicher. Johnson kontrolliert nun das Parlament, das grünes Licht für den Austrittsplan Großbritanniens aus der EU geben muss.

Damit rückt der Austritt Großbritanniens am 31. Januar näher. Doch nach diesem Termin muss London noch ein Handelsabkommen mit der EU27 abschließen. Dafür haben die EU und Großbritannien nur 11 Monate Zeit. Das ist sehr wenig. Wenn das nicht gelingt, werden die Höchstzölle der Welthandelsorganisation automatisch in Kraft treten.

Die Chance auf einen harten Brexit sei zwar geringer geworden, zitiert De Tijd den Sprecher des flämischen Premierministers Jan Jambon (N-VA). Doch es gebe keinen Grund zur Freude. Der Brexit bleibt eine schlechte Nachricht für Flandern.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten