Die UNESCO streicht den Karneval von Aalst von der Kulturerbeliste - Man hätte es vorher wissen können

Die UNESCO hat den Karneval von Aalst aus seiner Liste des immateriellen Kulturerbes gestrichen. Die Verantwortlichen der UNESCO begründeten den Vorgang damit, dass „Rassismus und Diskriminierung“ keinen Platz in dieser Liste haben. Der als besonders deftig und politisch unkorrekt bekannte Karneval von Aalst in der Provinz Ostflandern hatte in seiner Ausgabe 2018 einen Wagen im Umzug, der Juden auf eine klischeeartige Weise dargestellt hatte. Und vor einigen Jahren tauchten Karnevalisten in Naziuniformen auf. Der Karneval von Aalst macht vor nichts und niemandem Halt. Das hätten alle Beteiligten vorher wissen können, auch die, die diesen Karneval überhaupt erst zum Kulturerbe machen wollten…

Spätestens seit dem Umzug im Aalster Karneval im vergangenen Jahr, als ein Mottowagen Figuren zeigte, die Juden auf eine denkbar klischeehafte Weise darstellten, war klar, dass es auf internationaler Ebene zu Problemen kommen würde. Spätestens der aktuelle UNESCO-Gipfel in Bogota in Kolumbien würde diese Frage auf die Tagesordnung setzen. Die Stadt Aalst ging nach wiederholten internationalen Vorwürfen, der dortige Karneval sei rassistisch und antisemitisch, sogar soweit, selbst die Initiative zu ergreifen, von der UNESCO-Weltkulturerbeliste gestrichen zu werden. Man wolle an seiner freien Meinungsäußerung festhalten, hieß es dazu. Dies wäre übrigens das erste Mal gewesen, dass eine Streichung aus dieser Liste beantragt worden wäre. Doch die UNESCO kam Aalst zuvor.

Der Karneval von Aalst steht seit 2010 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes und eigentlich hätten jene, die dieses veranlasst habe, wissen müssen, dass es einmal zu Problemen kommen könnte. Denn eines steht fest und dies ist nur allzu bekannt: Der Aalster Karneval macht vor nichts und niemandem halt - vor keiner Macht, keiner Mehrheit und keiner Minderheit. Auch nicht vor dem belgischen Königshaus und nicht vor Religionen, Parteien, Personen des öffentlichen Lebens und auch nicht vor sich selbst.

Frech sein, gegen alle möglichen Schienbeine treten, politisch unkorrekt sein, Vorschriften und Autorität von oben zu missachten und und und gehört hier zum „guten Ton“. Das zeigte auch der Karnevalswagen der berühmt-berüchtigten Karnevalsgruppe „Vismooijlen“ mit seinen Figuren mit Hakennasen, Backenkrollen und orthodoxen Fellmützen (Foto oben). Diese Figuren saßen auf einer Geldkiste. Die Idee dahinter war, dass die „Vismooijlen“ knapp bei Kasse waren und ein „Sabbatjahr“ nehmen würden, um 2020 mit mehr Geld einen größeren Wagen präsentieren zu können.

Das kam nicht überall gut an und der Vorwurf des Antisemitismus folgte nur allzu schnell. Vor einigen Jahren tauchten einige Aalster Karnevalisten in Naziuniformen im Rosenmontagszug auf, um sich damit über die rechtspopulistischen Tendenzen auch in der flämischen Politik lustig zu machen. Auch dies sorgte für Streitigkeiten, unterstrich jedoch einmal mehr, dass dieser Karneval nichts auslässt. Jene, die es zu verantworten haben, dass der Karneval von Aalst in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen wurde, hätten wissen müssen, dass dies nicht klappen konnte und jene bei der UNESCO, die 2010 beschlossen hatten, dies zu tun, haben sich wohl nicht ausreichend über die Inhalte, die dieser Karneval nutzt, um über alle und alles zu lachen, informiert.

Man muss den Karneval von Aalst nicht mögen, doch man sollte ihn so lassen, wie er ist. Es ist sowieso nicht möglich, ihn zu zügeln. Im Gegenteil. Es steht zu befürchten, dass sich zahlreiche Karnevalisten und Ka rnevalsgruppen im kommenden Jahr auf diesen Vorgang einschießen werden und dies mit allen politisch unkorrekten Mitteln, die sie finden…. Die kommunalen Kulturbeauftragten von Aalst und auch die Verantwortlichen Kulturerbeschützer der UNESCO werden spätestens beim nächsten Rosenmontag mit heruntergelassener Hose dastehen. Und nein, die Leute aus Aalst und die Karnevalisten unter ihnen sind keine Rassisten oder Antisemiten, wie ihnen heute vorgeworfen wird (siehe oben).